Erbsen sind aufgrund ihrer ernährungsphysiologischen Eigenschaften für die Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere gut geeignet. Sie werden als Protein- und Energiefuttermittel bei Rindern, Schweinen und Geflügel mit Erfolg eingesetzt.
Inhaltsstoffe und Qualität
Aminosäuren
In der Schweine- und Geflügelfütterung wird die Proteinqualität durch die Gehalte an essentiellen Aminosäuren bestimmt, die vom Rohproteingehalt abhängig sind. Leistungsbegrenzende essentielle Aminosäuren sind Lysin, Methionin + Cystin, Threonin und Tryptophan (s. Tab. 1).
Erbsen sind lysinreich (im Mittel 7,2 % vom Rohprotein) und arm an den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystin (durchschnittlich 2,4 %). Mit steigendem Rohproteingehalt nimmt insbesondere der Lysingehalt zu.
Neben den absoluten Gehalten sind die Relationen dieser Aminosäuren zueinander von Bedeutung und in der Abbildung 1 für die Futtermittel Erbse, Sojaextraktionsschrot (SES) und Weizen dargestellt. Zur Orientierung wurden die für die Schweinemast geltenden Sollwerte eingefügt. Erbsen, aber auch Sojaextraktionsschrot, weisen besonders für Methionin + Cystin ein weites Verhältnis auf.
Bild: Aminosäuremuster von Erbsenprotein
Mineralstoffe
Der Mineralstoffgehalt der Erbsen ist ähnlich wie beim Getreide. Erbsen sind reich an Phosphor (3,2 bis 4,2 g/kg) aber arm an Calcium (0,4–0,8 g/kg). Der Phosphor liegt zu 40 % bis 60 % in gebundener Form als Phytin vor. Der Gehalt an verdaulichem Phosphor beträgt für das Schwein 1,9 g/kg.
Sekundäre Inhaltsstoffe
Sekundäre Inhaltsstoffe, z.B. Tannine (Gerbstoffe), Protease-Inhibitoren (Hemmstoffe), Lektine und Saponine, kommen in Erbsen ebenso wie in vielen anderen Hülsenfrüchten vor. Sie können bei hohen Konzentrationen für den tierischen Stoffwechsel leistungshemmend sein und die Futteraufnahme sowie die Nährstoffverwertung negativ beeinflussen.
Bei sekundären Inhaltsstoffen zeigt sich ein ausgeprägter Sorteneinfluss: Buntblühende Sorten weisen hohe, weißblühende Sorten niedrige Tanningehalte auf. Durch mechanische und thermische Behandlungsverfahren kann der Gehalt an sekundären Inhaltsstoffen wirkungsvoll reduziert werden.
Mykotoxine
Erbsen sind mit einem Wassergehalt von max. 12 % einzulagern, um gesundheitsschädliche und leistungsmindernde Toxine aus Schimmelbildung auszuschließen. Wegen größerer Streuungen in den Erntepartien sollte der Wassergehalt mit einer ausreichend großen Anzahl an Messungen abgesichert werden. Alternativ zur Trocknung kann das Futter mit organischen Säuren konserviert werden.
Futterwert
Die Beurteilung des Futterwertes erfolgt bei Monogastriern und Wiederkäuern nach unterschiedlichen Kriterien. Tabelle 1 vergleicht Erbsen mit Sojaschrot als Standard-Proteinkomponente und Weizen als typisches Energiefuttermittel.
Monogastrier
Für die Aminosäurenversorgung von Schweinen und Geflügel ist neben den absoluten Gehalten deren Verdaulichkeit von entscheidender Bedeutung. Beim Schwein wird diese in Form der praecaecalen Verdaulichkeit berücksichtigt. In der Geflügelfütterung wird dagegen noch mit den Bruttoaminosäuren gearbeitet (s. Tab. 1). Bei der bedarfsgerechten Ausstattung von Futtermischungen mit Erbsen ist darauf zu achten, dass die Verdaulichkeit der Aminosäuren relativ gering und der Gehalt an Methionin + Cystin vergleichsweise niedrig ist.
Futterwert von Erbsen für Schweine und Geflügel
Der energetische Futterwert der Erbse ist bei Schweinen fast mit dem von Weizen identisch.
Beim Geflügel schwanken die Angaben für die MEN korrigiert-Gehalte in der Literatur in einem weiten Bereich (9,7 bis 11,3 MJ/kg), je nach Nutzungsrichtung bzw. Alter der Tiere und Behandlung der Erbsen.
Für beide Tierarten besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Sorte und ME-Gehalt: Weißblühende Sorten mit niedrigem Tannin- und Ligningehalt haben bei besserer Nährstoffverdaulichkeit deutlich höhere Energiegehalte als buntblühende Sorten.
Wiederkäuer
In der Milchviehfütterung wird die Proteinversorgung nach den Kriterien nutzbares Rohprotein (nXP) und ruminale Stickstoffbilanz (RNB) beurteilt (s. Tab. 2).
Futterwert von Erbsen für Wiederkäuer
Der nXP-Gehalt eines Futtermittels wird in erster Linie von der Energiebereitstellung für die mikrobielle Proteinsynthese im Pansen bestimmt.
Die für die mikrobielle Proteinbildung erforderliche Stickstoffversorgung wird über die ruminale Stickstoffbilanz (RNB) beurteilt. Erbsen weisen eine positive RNB auf.
Der energetische Futterwert der Erbse ist auch für den Wiederkäuer sehr hoch (etwa auf Weizenniveau). Die Stärke wird allerdings in hohem Maße im Pansen abgebaut, was für hochleistende Milchkühe von Bedeutung ist und mit dem Kriterium „beständige Stärke“ bei der Rationsberechnung berücksichtigt wird.
Einsatzempfehlungen
Körnererbsen sind für die Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere gut geeignet.
Die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in der Pflanzenzüchtung führten zu Sorten mit verringerten Gehalten an sekundären Inhaltsstoffen (insbesondere Tannine). Dies rechtfertigt die Anhebung der Einsatzmengen in der Nutztierfütterung, wie zahlreiche neuere Untersuchungen gezeigt haben. Nachfolgend werden die Mischungsanteile bei Alleinfuttermitteln bzw. Tagesmengen für die verschiedenen Nutztiergruppen in Spannen ausgewiesen. Diese sind in neueren Fütterungsversuchen überprüft worden. Hierbei traten keine Leistungsminderungen auf, wenn die Rationen hinsichtlich der wichtigen Inhaltsstoffe bedarfsgerecht ausgestattet waren. Bei allen Monogastriern ist insbesondere auf die bedarfsgerechte Aminosäuren-Versorgung – speziell Methionin – zu achten.
Schweine
• Ferkel (abgesetzt): 20 – 30 %
• Mastschweine: 20 – 40 %
• Sauen: bis 25 %
Geflügel
• Broiler/Mastküken: 10 – 30 %
• Legehennen: 20 – 40 %
Rinder
Milchkühe:
• max. 4 kg pro Tag
• Bei hoher Leistung ist ein zusätzlicher Einsatz von Eiweißfuttermitteln mit hohem UDP-Anteil, erforderlich.
• Die Einsatzmenge von Erbsen wird außerdem durch den relativ hohen Anteil unbeständiger Stärke und Zucker begrenzt (max. 250 g/kg TM pro Tag).
Mastbullen:
• bis 2,5 kg pro Tier in der Tagesration (Grundfutter Maissilage)
• Erbsen können – bei mittlerem Leistungsniveau (1100 bis 1200 g Tageszunahmen) – als alleinige Eiweißkomponente eingesetzt werden und Sojaextraktionsschrot sowie Energieträge (Getreide) vollständig ersetzen. Bei höheren täglichen Zunahmen ist eine Kombination von Erbsen mit Soja- und/oder Rapsextraktionsschrot zu empfehlen.
Bei allen Futtermitteln unterliegen die futterwertbestimmenden Inhaltsstoffe Schwankungen. Bei der Verfütterung größerer Mengen sollten deshalb bei einer LUFA Inhaltsstoffuntersuchungen vorgenommen werden, die heute über das NIRS-Verfahren schnell und kostengünstig realisierbar sind.
Autor: Dr. Jürgen Weiß, Kassel

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