... und auch noch die Ökonomie stimmt, sollte man sowohl die Biologie relevanter Krankheiten und Schädlinge als auch die zugelassenen Pflanzenschutzmittel gut kennen. Ebenso wichtig ist ein gutes Herbizidmanagement, um die Bestände für eine gute Beerntbarkeit weitestgehend unkrautfrei zu halten.
Tierische Schädlinge
Blattläuse als Schädlinge in den Erbsen
Die Grüne Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum (Harris)) ist der wirtschaftlich wichtigste Schaderreger in den Erbsen. Der Saugschaden an den Blüten führt zum Hülsenabwurf und somit zu einer verminderten Hülsenzahl, auch das Tausendkorngewicht wird negativ beeinflusst. Der Schaden ist umso größer, je trockener und wärmer es ist.
Darüber hinaus kann das Gewöhnliche Erbsenmosaik- und das Scharfe Adernmosaikvirus übertragen werden. Die Grüne Erbsenblattlaus infiziert sich an überwinternden virustragenden Klee- und Luzernepflanzen.
Nach einem milden Winter ohne stärkere Kahlfröste werden die Blattläuse bereits sehr früh aktiv – in der Regel ab dem Zeitpunkt des Grünknospenstadiums (EC 51).
Die Bekämpfung der Blattläuse ist mit den Pyrethroiden Karate® Zeon und Trafo® WG sowie mit Pirimor zugelassen. Eine Wirkung der Pyrethroide ist aber nur gegen oben sitzende Blattläuse zu erwarten, versteckt sitzende Blattläuse erfordern die Kombination Pyrethroid plus Pirimor.
Gestreifter Blattrandkäfer(Sitona lincatus L.)
Der typische bogenförmige Fraßschaden des Blattrandkäfers an den Blättern kann bei kühl-trockener Witterung, wenn die Erbsen langsam auflaufen und eine verhaltene Jugendentwicklung haben, erheblich sein.
Weniger erkannt und beachtet wird in der Praxis der Schaden, den die 6 mm langen, weißen beinlosen Larven des Blattrandkäfers an den Knöllchenbakterien anrichten. Dieser tritt ein, wenn sich die Erbse aufgrund günstiger Witterung schnell und zügig entwickelt und somit dem Blattrandkäfer „aus dem Maul wächst“, gleichzeitig aber das Schlüpfen der Larven beschleunigt wird. Durch die Fraßtätigkeit der Larven an den Knöllchen wird die Stickstoffversorgung der Erbsenpflanze beeinträchtigt.
Die Bekämpfungsentscheidung muss bereits gegen den Käfer getroffen werden, da die Larven im Boden nicht mehr erfasst werden können.
Mit der Indikation gegen beißende und saugende Insekten sind Karate® Zeon und Trafo® WG zugelassen. Beide Produkte dürfen in der Saison nur einmal angewendet werden.
Erbsenkäfer (Bruchus pisorum L.)
Der Erbsenkäfer findet bei trocken-warmer Witterung ideale Vermehrungsbedingungen, tritt in Deutschland bisher aber selten auf.
Der Schaden ist auf Samen beschränkt, die ein zylindrisches Loch aufweisen. Dieses ist, häufig durch einen runden Deckel verschlossen und wird erst im Lager aufgebrochen. Der Käfer selbst ist kein Vorratsschädling.
Die Käfer erscheinen ab der Blüte in den Feldern und legen ihre Eier auf die sich gerade bildende Hülse ab. Die ausschlüpfenden Larven bohren sich durch die Hülsenwand in einen unreifen Samen.
Dieser Schädling spielt vor allem in Vermehrungsbeständen und Gebieten mit hoher Anbaudichte eine Rolle. Kontrollen sind insbesondere auf Feldern angeraten, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu vorjährigen Erbsenbeständen liegen.
Die Bekämpfung ist schwierig. Bei einem Massenauftreten reicht in Vermehrungsbeständen eine Einfachbehandlung mit zugelassenen Insektiziden Karate® Zeon oder Trafo® WG meist nicht aus. Ausreichende Abstände zu vorjährigen Erbsenschlägen und Anbaupausen müssen eingehalten werden. Nach einem Massenauftreten des Käfers ist eine tiefe wendende bzw. stark mischende Bodenbearbeitung angesagt.
Erbsengallmücke(Contarinia pisi Winn)
Eine hohe Anbaudichte, eine gute Durchfeuchtung des Bodens im Mai mit anschließender ausgeprägter Vorsommertrockenheit begünstigen das Massenauftreten der Erbsengallmücken.
Typisch für den Befall sind zunächst Wuchsdepressionen der Pflanze. Der Spross erscheint gestaucht, die Blütenblätter sind meist verkümmert und der Blütenkelch schwillt an. Infolge dessen bilden sich kaum noch Hülsen. Später fallen im Bestand blasig angeschwollene Hülsen auf, in deren Innern zahlreiche bein- und kopflose weiße bis gelbliche Larven vorhanden sind, die im Gegensatz zum Erbsenwickler keine Fraßtätigkeit an den Samen ausüben, sondern an der Hülsenwand saugen.
Die befallenen Erbsenhülsen platzen vorzeitig auf und die Larven gelangen zur Überwinterung auf den Boden. Unter trockenen Bedingungen kann die Erbsengallmücke als Puppe bis zu zwei Jahre überdauern.
Die gute Überdauerungsmöglichkeit der Erbsengallmücke bei Trockenheit erfordert ein weites Anbauverhältnis, aber auch genügend Abstand zu Vorjahresflächen.
Eine sorgfältige Bodenbearbeitung und bodensanierende Maßnahmen wie die Ausbringung von Kalkstickstoff helfen, den Anteil der überdauernden Larven zu reduzieren.
Eine chemische Bekämpfung muss sich gegen die eiablegenden Mücken der ersten Generation richten.
Mit der Indikation gegen beißende und saugende Insekten können Karate® Zeon und Trafo® WG eingesetzt werden.
Erbsenwickler(Enarmonia nigricana Fab.)
Der typische Schaden offenbart sich beim Öffnen der Hülsen: angefressene und völlig zerstörte Samen, ein feines Gespinst und Kotklümpchen sind im Inneren der Hülse sichtbar. Meist ist noch die Schädlingslarve vorhanden.
Der erste Zuflug des Erbsenwicklers ist häufig zur Monatswende Mai/Juni zu beobachten. Mit Vorliebe werden dichte üppige Erbsenbestände angeflogen.
Der Schlupf der Raupen erfolgt nach ein bis zwei Wochen. Diese wandern zu den Hülsen, in die sie sich rasch einbohren und an der Samenanlage fressen. Als Folgeschäden treten an den Hülsen Schwärzepilze und Fäulniserreger auf.
Die Bekämpfung des Erbsenwicklers ist schwierig, denn wegen des verzettelten Zufluges erfolgt die Eiablage über einen längeren Zeitraum. Witterungsbedingt kann es zu mehreren Flughöhepunkten kommen. Der Flug des Erbsenwicklers lässt sich mit Hilfe von Pheromonfallen gut überwachen.
Das Auftreten des Erbsenwicklers hängt stark von der Anbaukonzentration und der Nähe zu den vorjährigen Erbsenschlägen ab. Notwendig wären Mindestabstände von 2 bis 3 km zu vorjährigen Erbsenschlägen, die nicht immer eingehalten werden können. Vor allem spät bestellte bzw. spät blühende und reifende Sorten sind stärker betroffen, wenn die Vollblüte mit dem Hauptflug und der Eiablage des Wicklers zusammenfällt.
Zur Bekämpfung sind die Pyrethroide Trafo® WG und Karate® Zeon zugelassen. Die Bekämpfungsmaßnahme muss unmittelbar vor dem Schlupf der Larven, spätestens 5 bis 7 Tage nach dem ersten Flughöhepunkt der Erbsenwickler erfolgen.Um eine bessere Benetzung und Haftung zu erzielen sind die Behandlungen mit Doppelflachstrahldüsen oder der Zusatz von Additiven wie Agrocer® 010 oder Arma® sinnvoll. Für die Erstbehandlung ist das Trafo® WG besser geeignet als das Karate® Zeon, das den Wirkstoff unter Umständen zu langsam abgibt. In Befallslagen kann eine zweite Behandlung gegen neue Zuflüge des Erbsenwicklers notwendig werden. Diese steht in der Regel 10 bis 12 Tage nach der ersten Behandlung an.
Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Erbsenschädlinge
Generell gibt die gegenwärtige Zulassungssituation von Insektiziden in den Erbsen keinen großen Spielraum.
Zugelassen sind gegen Blattläuse Pirimor® Granulat, gegen beißende und saugende Insekten (Blattrandkäfer, Erbsenkäfer und Erbsenwickler) maximal eine Anwendung mit Karate® Zeon und in Vermehrungsbeständen eine Anwendung mit Trafo® WG.
Wichtig sind bei der Applikation von Karate® Zeon oder Trafo® WG die gleichmäßige Verteilung der Wirkstoffe im Bestand, dazu sind Doppelflachstrahldüsen bei einem Wasseraufwand wenigstens 200 l/ha und maximal 8 km/h Fahrgeschwindigkeit am besten geeignet.
Die Wirkungsdauer der Insektizide kann durch Additive wie Agrocer® 010 oder Arma® um 3 bis 5 Tage verlängert werden.
Pilzkrankheiten
Fuß- und Welkekrankheiten
Bei zu enger Fruchtfolge und partieller Bodenverdichtung können erhebliche Schäden an den Erbsen durch bodenbürtige Pilze auftreten.
Bereits nach dem Auflaufen fallen die infizierten Pflanzen durch ein verhaltenes Wachstum auf. Die Blätter vergilben von unten nach oben. Die Wurzel zeigt anfangs eine bräunliche, später schwarze Färbung, die sich über die gesamte Stängelbasis ausbreitet. Der Zentralzylinder kann eine rötliche Verfärbung aufweisen. Die Wurzel verfault und stirbt ab, so dass sich die Pflanze leicht aus dem Boden ziehen lässt.
Neben der Wurzelfäule, wird auch ein Vergilben und Blattrollen beobachtet, wobei Wurzel und Stängel äußerlich gesund aussehen. Schneidet man die Wurzel der Länge nach auf, ist innen eine braune, nach unten verlaufende Linie zu sehen. Es handelt sich um die als Gefäßmykose auftretende Erbsenwelke, die im Gegensatz zur Wurzelfäule relativ spät, erst in der zweiten Junihälfte, auftritt. Verursacher der Fußkrankheiten sind ein Komplex an bodenbürtigen Pilzen. Dazu gehören u.a. Rhizoctonia solini Kühn, Fusarium-Arten, Pythium.
Brennfleckenkrankheit
Bei der Brennfleckenkrankheit handelt es sich um einen Erregerkomplex aus Ascochyta pisi, Mycosphaerella pinodes und Phoma medicaginis, der auch als Ascochyta-Krankheitskomplex der Erbsen beschrieben wird. Neben der Brennfleckenkrankheit sind die beiden letzten Pilzarten auch für die Halmbasiserkrankung der Erbsen verantwortlich.
Befallen werden alle Pflanzenteile der Erbse. Typisch sind in das Gewebe eingesunkene hellbraune Brennflecken mit einem dunklen Rand. Gefährlicher als der Hülsen- und Blattbefall ist der Befall der Halmbasis. Ein sehr früher Befall führt bereits zu einem lückigen Aufgang.
Ausgang für die Brennfleckenkrankheit ist nicht selten infiziertes Saatgut. Über den Samen werden an Wurzel und Stängel bereits nach geringen Regenmengen oder Taueinwirkung Sporen gebildet. Die Verbreitung im Bestand erfolgt durch Wind und Wassertropfen. Die Erreger können erwiesenermaßen über Jahre auf Pflanzenrückständen überdauern.
Vorbeugend sollte, durch Untersuchungen nachgewiesen, einwandfreies Saatgut angebaut werden. Bei amtlicher Feldbesichtigung von Vermehrungsbeständen sind Ascochyta- und Virusbefall Ausschlusskriterien für die Saatgutanerkennung. Weiterhin zielen alle Maßnahmen, die eine schnelle Zersetzung der Pflanzenrückstände begünstigen auf eine Reduktion des Ausgangsbefalls. Nicht zu letzt ist die Einhaltung von fünf besser sechs Jahren Anbaupause wichtig. Eine gute Phosphor- bzw. Molybdänversorgung erhöht die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber den Erregern der Brennfleckenkrankheit. Die Beizung hat häufig nur einen Teilerfolg, da der Pilz sich nicht selten tief in den Samen einbrennt.
Die Zulassungssituation gewährt als Spritzanwendung nur den Einsatz von Amistar® nach § 18a PflSchG.
Grauschimmelkrankheit(Botrytis cinerea)
Längere Durchfeuchtung des Bestandes und hohe Temperaturen begünstigen das Auftreten der Grauschimmelkrankheit ab Ende der Blüte. In den Blattachseln und an den Hülsenspitzen ist grauer Schimmelbelag zu finden, der sich später über eine größere Blattfläche ausdehnen kann. Die eingeschränkte Blattfläche führt zu einer Minderung des TKG und damit zur Reduzierung des Ertrages. Darüber hinaus können Hülsenfäulen die Korndichte reduzieren.
Zurzeit ist in Erbsen kein Fungizid gegen Botrytis zugelassen. Daher sind vorbeugende Maßnahmen, die die Vitalität der Pflanzen fördern, wichtig. Hierzu zählt eine ausgewogene Nährstoffversorgung der Pflanzen, vor allem mit Bor, Calzium und Schwefel.
Falscher Mehltau(Peronospora pisi)
Diese Krankheit wird vor allem in feucht-kühlen Jahren häufiger beobachtet. Je früher der Befall auftritt und je langsamer die Pflanzen wachsen, desto größer ist der Schaden. Typisch für den Befall ist die Vergilbung der unteren Blätter. Auf der Blattunterseite ist ein grauer Pilzrasen zu erkennen. Die Krankheit wird mit dem Saatgut verbreitet. Darüber hinaus ist eine Überdauerung an Pflanzenresten möglich. Befallfreies, gesundes Saatgut bietet bereits einen guten Schutz gegen den Erreger. Trotzdem ist eine fünf- bis sechsjährige Anbaupause wichtig. Darüber hinaus zeigen gut mit Bor und Mangan versorgte Erbsen eine höhere Toleranz gegenüber Peronospora pisi.
Aufgrund der Zulassungssituation ist in Deutschland eine Kurativbekämpfung der bereits angegangenen Infektion nicht möglich. Vorbeugend ist nur Amistar® zugelassen.
Erbsenrost (Uromyces pisi-sativi)
Das Auftreten dieses wirtswechselnden Pilzes ist an hohe Temperaturen gebunden und erst spät in den Erbsen zu beobachten. Er bildet seine ersten Sporenformen (Spermogonien und Aecidien) auf der Zypressenwolfsmilch und Eselswolfsmilch, die Erbse dient dem Pilz als Zwischenwirt. Bei starkem Auftreten ist eine gute Einmischung des Erbsenstrohs sinnvoll. Unkrautbekämpfung und Mahd der Wegränder helfen, die Wolfsmilcharten in der Region zu reduzieren.
Gegen Erbsenrost sind keine Fungizide zugelassen, jedoch wird durch den Einsatz von Amistar® gegen Brennfleckenkrankheit oder Falschen Mehltau der Rost vorbeugend miterfasst.
Maßnahmen zur Bekämpfung von Erbsenkrankheiten
Die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Virosen kann durch eine optimale Ernährung verbessert werden. Blattdüngungsmaßnahmen mit Bor, Magnesium und Schwefel zum Zeitpunkt der Blüte wirkten sich in Versuchen befalls- bzw. schadmindernd und somit positiv auf den Ertrag aus.
Wichtigste Maßnahme ist das Einhalten einer fünf- bis sechsjährigen Anbaupause. Daneben bietet die Beizung oder Inkrustierung der Erbsen die Möglichkeit, boden- und samenbürtige Krankheiten zu vermeiden.
Der Einsatz von Kalkstickstoff in der Erbsenfruchtfolge wirkt bodensanierend und kann den Besatz von bodenbürtigen Krankheiten aber auch mit im Boden überdauernden Schädlingen reduzieren.
Der Fungizideinsatz hält sich in Grenzen. Es gibt nur wenige Zulassungen bzw. Genehmigungen nach § 18a PflSchG in den Erbsen (s. Tab. 1). Beide Mittel haben nur eine protektive Wirkung. Wenn ein Befall bereits eingetreten ist, kann dadurch nur die weitere Ausbreitung auf noch nicht befallene Pflanzen bzw. Pflanzenteile vermieden werden.
Autorin: Kerstin Fischer, N.U. Agrar GmbH - Langenstein
Unkrautbekämpfung
Je nach Frühjahrsbedingungen kann es zwei (bei warmer) bis fünf (bei nasskalter Witterung) Wochen dauern, bis die Futtererbsen aufgelaufen sind. Bis zum Reihenschluss der Erbsenbestände vergehen weitere drei bis vier Wochen.
Dieses bietet verschiedenen Unkräutern und Ungräsern Wettbewerbsvorteile, die die Erbse unter Umständen nicht mehr aufholt, was dann zu Ernteproblemen führt.
Es besteht eine Auswahl an Herbiziden für den Einsatz im Vorauflauf und/oder Nachauflauf (s. Tab. 2). Teilweise sind auch Tankmischungen möglich bzw. sinnvoll. Tabelle 3 zeigt die spezifischen Unkrautwirkungen von Präparaten. Sie hilft bei der richtigen Wahl eines auf das standorttypische Unkrautspektrum abgestimmten Herbizides.

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