Die Agrarwirtschaft steht angesichts turbulenter Märkte, stark schwankender Erträge und gestiegenen Betriebsmittelkosten auch in diesem Jahr vor großen Herausforderungen. Das Kostenmanagement ist dabei einer der Erfolgsfaktoren der Unternehmensführung. Wie kann der Getreideanbau jetzt effizient und gewinnbringend weiterentwickelt werden? Mit welchen Strategien passen sich Landwirte weltweit an die veränderten Rahmenbedingungen an?
Bei den fünf Winterforumsveranstaltungen der SAATEN-UNION in Ostdeutschland standen diese Fragen im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen.
Produktionssysteme im internationalen Vergleich Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Johann Heinrich von Thünen-Institut, stellte erste Ergebnisse des agri benchmark vor. In diesem globalen Forschungsprogramm wird unter anderem untersucht, welche Fruchtarten und welche Produktionssysteme an den verschiedenen Standorten Deutschlands am wettbewerbsfähigsten sind. Die deutschen Produktionszentren bei Weizen und Milch hätten tendenziell gute Wettbewerbschancen, so Isermeyer. Bei Rindfleisch könnte es längerfristig notwendig werden, die Produktionssysteme grundlegend zu überdenken. Im Ackerbau zeige sich im Vergleich, dass die Landwirte in Übersee wesentlich weniger Arbeitsgänge durchführten. Dafür aber auch geringere Erträge erzielten. „Die deutschen Erzeuger haben bei Ölsaaten einen erheblichen Kostennachteil gegenüber den Überseestandorten und im Vergleich zu Standorten in der ehemaligen Sowjetunion. Bei Weizen besteht Kostengleichheit“. Mittelfristig erwartet Isermeyer eine Erholung der Erzeugerpreise deutlich über dem früheren Niveau.
Wie Kosten sparen? Die Betriebsmittelkosten für Dünger, Pflanzenschutz, Maschinen, Saatgut und Energie entscheiden maßgeblich über die Wirtschaftlichkeit im Pflanzenbau. Durch angepasste Schleppertechnik, durch ökonomisches Fahrverhalten oder durch Reifendruck könne Sprit und damit Kosten gespart werden, erläuterte Andreas Kummert, Fendt.
„Flächeneinheitliche und pauschale Düngermengen führen auf über 80 Prozent aller Teilflächen zu einer permanenten Über- und Unterversorgung mit Nährstoffen“, stellte Peer Leithold, Agri Con fest. „Mit einer sensor- und GPS-gestützten Düngerausbringung kann der Nährstoffbedarf der Pflanzen nach Raum, Zeit und Menge optimiert werden, was zu höheren Erträgen und stabilen Qualitäten führt. Durch eine höhere Düngeeffizienz können Kosten gespart werden.“
Sven Böse, SAATEN-UNION, rät angesichts der steigenden Risiken die Effizienz der aktuellen Anbauverfahren und die Fruchtfolge zu überdenken und dabei verstärkt Aspekte der Ertragssicherheit zu berücksichtigen. Eine Reihe neuer Sorten zeichne sich durch eine höhere Anbausicherheit und Stresstoleranz aus. „Das Maximum an Sicherheit bei gleichzeitig hoher Ertragserwartung ist durch die gezielte Kombination von Sorten mit unterschiedlicher Ertragsphysiologie zu erreichen“.
Künftig deutlich weniger Pflanzenschutzwirkstoffe „Einfache chemische Lösungen von der Stange wird es immer weniger geben“, meinte Dr. Udo Heimbach, Julius Kühn-Institut. „Landwirte müssen sich darauf einstellen, in Zukunft mit weniger Wirkstoffen auszukommen und verstärkt pflanzenbauliche Maßnahmen zur Abwehr von Schadorganismen in ihre Konzepte integrieren. Das alleinige Setzen auf den chemischen Pflanzenschutz wird in einigen Bereichen nicht mehr möglich sein, da entweder keine entsprechenden Wirkstoffe mehr zur Verfügung stehen oder sich vermehrt Resistenzen gegen die dann häufiger eingesetzten Wirkstoffe ausbilden werden.“
Künftig müssten verstärkt Aspekte wie Standort, resistente Sorten, Düngung und Fruchtfolge berücksichtigt werden.
Leistungsfähige Sorten, volles Sortiment und hohe Fachkompetenz
Die SAATEN-UNION ist auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. „Bis 2020 wollen wir zu den führenden Saatgutunternehmen in Europa gehören“ sagte Marcus Iken, Geschäftsführer des Unternehmens. „Unsere sieben Gesellschafter züchten europaweit mit modernster Technologie leistungsstarke Pflanzensorten. Wir bieten dem Landwirt das volle Sortiment und unsere Fachberater sind kompetente Ansprechpartner“.
Die SAATEN-UNION konnte im Geschäftsjahr 2007/08 ihren Umsatz um 13,3 Prozent auf 175,86 Mio. € steigern. Das Unternehmen, das aktuell in sieben europäischen Ländern mit Tochtergesellschaften vertreten ist, will ihre Vertriebsaktivitäten in Osteuropa weiter ausbauen. Strategische Vertriebskooperationen sollen das Unternehmen im globalen Wettbewerb stärken.
Isernhagen, 22.01.2009
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