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Die Luzerne, auch als „Königin der Futterpflanzen“ bekannt, gilt als die älteste zur Futterwerbung genutzte Kulturpflanze der Welt.

Sie ist in vielerlei Hinsicht rekordverdächtig: So ist sie die Futterpflanze mit dem höchsten Ertragspotenzial und damit in der Lage, ohne jegliche Stickstoffdüngung 160 Dezitonnen Trockenmasse pro Hektar und mehr zu bilden. In Kombination mit hohen Eiweißgehalten produziert sie mehr als doppelt so hohe Proteinerträge wie etwa die Sojabohne. Durch die Symbioseleistung der Knöllchenbakterien werden bis zu 300 kg/ha Stickstoff fixiert. Dies, sowie die intensive Durchwurzelung bis in den Unterboden, macht die Luzerne zu einer attraktiven Vorfrucht auch in ackerbaulichen Fruchtfolgen. Alles in allem ist die Luzerne unter vielen Gesichtspunkten interessant.
Milchviehhalter setzen auf die Luzerne als eine hervorragende weitere Komponente, insbesondere in maisbetonten Rationen.

Tabelle 1: Futterwertparameter von Silomais und Luzerne

 

Gehalt je kg TS

MJ NEL

Rohprotein

Rohfaser

Silomais, Teigreife

6,4

86

205

Luzerne, 1. Aufwuchs

5,8

210

238

Luzernegras, 1. Aufwuchs

6,13

193

238

(DLG-Futterwerttabellen)

Der Silomais weist nur geringe Eiweißgehalte auf, hier stellt die proteinreiche Luzerne eine gute Ergänzung dar. Das größte Problem sehr maisbetonter Rationen ist häufig die fehlende Strukturwirkung mit all den negativen Wirkungen auf das Leistungsvermögen und die Tiergesundheit. Insbesondere das verstärkt zu beobachtende Krankheitsbild der Labmagenverlagerung ist u. a. auf einen nicht ausreichenden Rohfasergehalt der Ration zurückzuführen. Daher sollte der Rohfasergehalt von Wiederkäuerrationen nicht unter 18 % liegen.
Aus diesem Grund ist die gute Strukturwirksamkeit der Luzerne besonders von Vorteil. Die häufig als „Scratching“ beschriebene anregende Wirkung der Rohfaser der Luzerne auf die Pansenzotten verbessert die Strukturwirksamkeit der Ration erheblich. Der grobe Stängel der Luzerne fördert auch in zerkleinerter Form die Pansenfunktion. Die Speichelproduktion und die Muskeltätigkeit werden angeregt. Der Speichel puffert die Säure im Magen ab, der pH-Wert im Pansen bleibt konstant wodurch Verdaulichkeit und Futteraufnahme steigen.
Eine Vielzahl von Studien belegt, dass die Verfütterung von Luzernesilagen zu höheren Futteraufnahmen und zu höheren Milchleistungen führt, obwohl nicht vergleichbare Energiedichten wie etwa beim Silomais erreicht werden können. Höhere Passageraten im Pansen in Verbindung mit einer guten Schmackhaftigkeit sind die Begründung für die zu beobachtenden hohen Futteraufnahmeraten. Weiterhin enthält Luzerne hohe Gehalte an Vitaminen, Carotinen und Mengenelementen wie Calcium. Mit diesen Eigenschaften wertet die Luzerne, auch mit nur geringen Anteilen, jede Futterration auf.
Doch nicht nur ihr Futterwert bietet dem Anbauer Vorteile. Mit einem Wurzelsystem, welches sich den Unterboden bis in eine Tiefe von 4 Metern erschließen kann, sowie einer intensiven Bodenbeschattung und Stickstoffsammlung gilt sie als eine hervorragende Vorfrucht, die nachhaltig die Bodenfruchtbarkeit erhöht. Diese Vorfruchtwirkung ließ sich in Versuchen bis in die dritte Folgekultur nachweisen. Allerdings ist die Luzerne nicht mit sich selbst verträglich. Daher sollten Anbaupausen von mindestens 4 Jahren eingehalten werden.


Trockene Füße und einen warmen Kopf
So lassen sich die Standortansprüche der Luzerne am einfachsten umschreiben. Von allen Standortfaktoren ist die Durchschnittstemperatur in den meisten Fällen der begrenzende Faktor. Mindestens 8,5 °C und 210 Tage Vegetationsdauer sollten erreicht werden, um eine zufrieden stellende Ertragsleistung zu erzielen. Hinsichtlich der Wasserversorgung ist die Luzerne genügsam. Auch bei durchschnittlichen Niederschlagsmengen von 550 mm oder weniger liefert sie gute Erträge. Luzerne ist sehr winterfest und erträgt auch längere Frostperioden problemlos. Allerdings neigt sie bei Wechselfrösten zum Auffrieren. Damit ist sie für die kontinentalen Gebiete die geeignete Futterpflanze.
Die Ansprüche an die Bodengüte sind nicht so hoch, wie es allgemein angenommen wird. Interessanterweise wird die Luzerne mit ihrem tiefreichenden Wurzelsystem als Pionierpflanze auf Kippenrekultivierungsflächen eingesetzt, dies zeigt die Toleranz der Luzerne für schwierige Standortbedingungen auf. Unter dem Aspekt hoher Erträge gilt jedoch, dass insbesondere Staunässe zu Problemen führt. Abgesehen von extrem schweren und verdichteten Böden sowie Moorböden sind alle Böden, die sich in einem guten Kulturzustand befinden, für den Luzerneanbau geeignet. Allerdings sollte insbesondere der pH-Wert ausreichend sein, dies bedeutet für leichtere Standorte mindestens pH 5,8 und für bessere Standorte mindestens pH 6,5, besonders schwere Standorte sollten einen pH-Wert von 7,0 und mehr aufweisen.

Die Aussaat entscheidet
Bei einer Nutzungsdauer von drei Jahren bestimmt die Aussaat über den Ertrag von 8-10 Ernten, sie ist daher von entscheidender Bedeutung und sollte sorgfältig vorbereitet werden. Luzerne und Luzernegras können von Ende März bis Ende Juli ausgesät werden. Ein früherer Saattermin ist nicht zu empfehlen, da die Temperaturansprüche für eine schnelle Keimung und Jugendentwicklung nicht erfüllt werden, während viele Unkräuter bereits günstige Wachstumsbedingungen vorfinden. Ansaaten im August erreichen häufig nicht die erforderliche Vorwinterentwicklung. Die günstigste Saatzeit ist im April, da die Nutzung der Winterfeuchte und eine lange Vegetationszeit eine sichere und kräftige Pflanzenentwicklung ermöglichen. Vorsommer- und Sommeransaaten sind häufig austrockungsgefährdet. Erst nach der Ausbildung eines tiefgründigen Wurzelsystems zeigt die Luzerne eine gute Trockenheitsverträglichkeit.
Sowohl Blanksaaten als auch Ansaaten mit einer Deckfrucht sind prinzipiell möglich. In der Mehrzahl der Fälle ist die Blanksaat (im Frühjahr) mit dem geringeren Ansaatrisiko verbunden. Die Konkurrenz um Wasser und Standraum aber auch das Problem der Strohräumung spricht für eine Anlage als Blanksaat.
Anzustreben ist eine Bestandesdichte von 300 bis 350 Pflanzen je m², hieraus ergeben sich in Reinsaatbeständen Aussaatstärken von 15-20 kg/ha. Etwa 2-3 Wochen nach der Aussaat sollte der Feldaufgang kontrolliert werden. Die Richtwerte sind Tabelle 2 zu entnehmen.

Tabelle 2: Richtwerte für die Bestandesdichte zum Aufgang

 

 

optimal

minimal

Luzerne

400

200

Luzernegras

350 + 50

200 +50

Wurden Anbaupausen von mehr als 10 Jahren seit dem letzten Luzerneanbau eingehalten bzw. wurde noch nie Luzerne auf der vorgesehenen Fläche angebaut, so empfiehlt es sich, das Saatgut mit Rhizobien zu beimpfen. Zu diesem Zweck stehen verschiedene Präparate im Handel zur Verfügung. Diese sollten mit dem Saatgut vermischt werden (häufig ist Torf der Trägerstoff) und dann gemeinsam ausgesät werden. Nachgewiesenermaßen verbessert sich dadurch die Jugendentwicklung. Insbesondere der stimulierende Effekt auf die Wurzel sorgt für eine bessere Etablierung und eine schnellere Stickstoffassimilation. Eine zusätzliche Fixierungsleistung von über 70 kg/ha Stickstoff gegenüber unbehandelten Beständen konnte in Versuchen ermittelt werden.
Im Allgemeinen verfügt die Luzerne über eine bessere Ausdauer als der Rotklee, angestrebt werden sollte eine Nutzungsdauer von 3 Jahren. Ebenso wie der Aufgang sollte die Bestandesentwicklung nach jeder Überwinterung kontrolliert werden. Bei geringeren Pflanzendichten als in Tabelle 3 beschrieben, ist mit nur unbefriedigenden Leistungen zu rechnen. In diesem Fall sollte über die Einsaat von 15-20 kg/ha Welsches Weidelgras die Leistungsfähigkeit des Bestandes für die aktuelle Saison erhalten werden.

Tabelle 3: Richtwerte für die Bestandesdichte nach der Überwinterung

 

Termin

Pflanzen/m²

Luzerne

Luzernegras

optimal

Minimal

optimal

minimal

1. Überwinterung

250

150

200 + 50

100 + 60

2. Überwinterung

150

100

100 + 50

80 + 30

Auf eine Stickstoffdüngung kann in Luzernereinbeständen in der Regel verzichtet werden, eine Ausnahme bilden Bestände, die eine schwache Vorwinterentwicklung, beispielsweise aufgrund verspäteter Saattermine, aufweisen. In diesen Fällen kann eine Startgabe von 30-50 kg/ha sinnvoll sein. Ebenso sollten Luzernegrasbestände mit Grasanteilen von mehr als 30% je 10% Ertragsanteil des Graspartners mit 10 kg/ha im Frühjahr gedüngt werden.
Wichtig ist eine Erhaltung des optimalen pH-Wertes, für die Kalkversorgung sollte regelmäßig eine Erhaltungsdüngung durchgeführt werden. Die Nährstoffentzüge sind in Tabelle 4 dargestellt.

Tabelle 4: Nährstoffentzüge und Düngungsbedarf für Luzerne und Luzernegrasbestände (in kg/dt Frischmasse)

 

 

Nährstoffentzug

Düngungsbedarf

 

P2O5

K2O

MgO

P2O5

K2O

MgO

Luzerne

0,14

0,62

0,05

70 - 85

300 - 370

25 – 30

Luzernegras (70:30)

0,15

0,65

0,08

75 - 90

325 - 390

40 - 45

Die Kalidüngung sollte mindestens drei Wochen vor dem Saattermin erfolgen, um mögliche Keimschäden zu vermeiden. Neben den Makronährstoffen ist auf eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen, insbesondere Bor und Molybdän, zu achten. Diese sind für eine effektive Stickstoff-Fixierung der Knöllchenbakterien von großer Bedeutung. Generell sollte auf eine organische Düngung verzichtet werden.

Wie nutze ich Luzerne richtig?
Die Nutzung (Häufigkeit und Intensität) hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Lebens- und Leistungsdauer der Bestände. Generell sollte eine dreijährige Nutzung (Ansaatjahr und zwei Hauptnutzungsjahre) mit jeweils drei Schnitten angestrebt werden. Im Ansaatjahr sollte der erste Schnitt möglichst spät erfolgen, um eine gute Etablierung zu gewährleisten. Dies bedeutet, dass ein Schnitt zum Blühbeginn optimal ist. Der zweite Schnitt sollte etwa 5-6 Wochen später erfolgen, spätestens Mitte August. Die letzte Nutzung erfolgt Anfang Oktober, auf jedem Fall vor den ersten Frostperioden. Dieses strikte Nutzungsmuster sichert eine gute Bestandesentwicklung, die Basis für zwei weitere Nutzungsjahre.
Die Schnittzeitspanne in den beiden Hauptnutzungsjahren hat erheblichen Einfluss sowohl auf den Futterertrag und Futterqualität als auch auf die Leistungsdauer. Es handelt sich also immer um eine Kompromisslösung.
Im Unterschied zu den meisten Futterpflanzen ist die Entwicklung der Futterqualität nur schwach mit der generativen Entwicklung korreliert. Daher ist es sinnvoller, sich an der Wuchshöhe des Bestandes zu orientieren als an dem Entwicklungsstand. Der Grund dafür liegt in der ausgeprägten Abhängigkeit des Entwicklungsstandes von äußeren Einflüssen, wie etwa Licht und Temperatur. Abbildung 2 zeigt die Zusammenhänge zwischen Bestandeshöhe und Energiegehalt auf.
Demnach sind frühe Nutzungen unter dem Aspekt hoher Energiekonzentrationen sinnvoll, allerdings sollte der Mindestertrag bei 20-25 dt/ha Trockenmasse liegen. Im Allgemeinen ergibt sich eine Verteilung des Jahresertrags auf die einzelnen Nutzungen von etwa 50, 30 und 20% des Gesamtertrags im ersten, zweiten und dritten Aufwuchs.
Für eine ausreichende Winterfestigkeit gilt, dass zwischen dem vorletzten und letzten Aufwuchs eine Nutzungspause von 7-8 Wochen liegen sollte. Nur dann erfolgt eine ausreichende Einlagerung von Reservestoffen, die eine gute Überwinterung garantiert. Ebenfalls wichtig ist in diesem Zusammenhang die Einhaltung einer Mindestschnitthöhe, insbesondere bei der letzten Nutzung vor Winter. Die Luzerne bildet einen kräftigen Wurzelkopf aus, in dem Reservestoffe eingelagert werden. Außerdem befinden sich die Erneuerungsknospen, die für den Wiederaustrieb im Frühjahr entscheidend sind, in den untersten 10 cm, so dass eine Mindestschnitthöhe von 12 cm nicht unterschritten werden sollte.

Luzerne als Rein- oder Mischbestand anbauen?
Viele Empfehlungen zielen auf einen Anbau der Luzerne in Mischung mit Gräsern ab. Welches sind die Vorteile eines Gemengeanbaus? Häufig und insbesondere unter schwierigen Anbaubedingungen ergibt ein Gemengeanbau stabilere Erträge. Außerdem lässt sich die Ertragsverteilung im Jahresverlauf günstiger gestalten. Der Mischpartner Gras sorgt weiterhin für ein günstigeres Rohproteinverhältnis zur verfügbaren ENERGIE.
In den meisten Fällen lässt sich jedoch die Abreife des Graspartners kaum mit der Entwicklung des Luzernebestandes harmonisieren. Folglich führt ein Mischanbau zu sehr unterschiedlichen Bestandesentwicklungen, häufig nimmt der Graspartner durch die Konkurrenz der Luzerne so geringe Ertragsanteile an, dass keine messbaren Vorteile auftreten. Daher gehen viele Empfehlungen inzwischen zu Reinbeständen. Soll trotzdem ein Mischbestand angebaut werden, so entscheiden sowohl die Standortbedingungen als auch die Nutzungsintensität über die Wahl des Mischungspartners.

Tabelle 5: Mischungspartner für Luzernegrasbestände:

 

Grasart

Saatmenge (kg/ha)

Nutzungsreife

Standort

Knaulgras

1-2

früh

trocken

Wiesenschwingel

5-7

mittelfrüh

trocken bis mild

Deutsches Weidelgras

2-4

mittel-spät

feucht

Wiesenlieschgras

1-2

spät

feucht


Wie richtig konservieren?

In den meisten Fällen wird aus der Luzerne Silage gewonnen. Luzerne gehört zu den schwer silierbaren Grundfuttermitteln. Dies liegt an dem hohen Eiweißgehalt und damit an der hohen Pufferkapazität. Ein weiteres Problem sind die schnell auftretenden Bröckelverluste des Blattmaterials bedingt durch das unterschiedliche Trocknungsverhalten von Blättern und Stengel. Daher gilt es, das Erntegut möglichst schonend zu behandeln. Das bedeutet, Mahd unter trockenen Bedingungen und möglichst der Verzicht auf weitere Wendearbeiten. Das schwaden sollte vorzugsweise morgens im Tau erfolgen. Im Idealfall sollte bis auf TS-Gehalte von 40% und mehr angewelkt werden. Dementsprechend kommt einer guten Verdichtung im Silostock eine große Bedeutung zu, um Fehlgärungen zu vermeiden. Bei Anwelkgraden unter 40% empfiehlt sich der Einsatz von Siliermitteln.
Bei Berücksichtigung dieser Punkte kann mit einer guten Luzernesilage ein ideales Futter für Hochleistungskühe gewonnen werden.


Stand: 13.08.2009

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