Das Märchen von der dicken Spindel |
01.07.2010 | Versenden | Druckversion | |
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Spannende Geschichten aus dem Reich des Pflanzenbaus gibt es in großer Zahl. Selbst Fachleute leiten nicht selten aus ihren Beobachtungen hoch interessante, aber letztlich unbewiesene Schlüsse ab. Gerne erzählt erzählt man sich beispielsweise das „Märchen von der dicken Spindel". Was ist dran? Führt eine dicke Spindel zu mehr Spindelanteilen in den Kolben? Der Mensch schließt gern vom Sichtbaren auf das Unsichtbare, was ihn aber ab und zu in die Irre führt. Eine dicke Spindel bringt – so die Theorie – auch mehr Spindelanteil in den Kolben. Daraus wird dann gleich noch ein ungünstigeres Verhältnis der hoch verdaulichen Körner zur schlecht verdaulichen Spindel in der Mischung abgeleitet – mit negativen Auswirkungen auf die Futterqualität des Kolbens.
Das Züchten auf Kornertrag führt tendenziell zu längeren und dickeren Kolben. Rein rechnerisch nimmt dabei der Anteil der Spindel am Volumen des Kolbens zu, sofern die Dicke der Körnerschicht auf dem Kolben konstant bleibt. Der Trockenmasseanteil jedoch ist abhängig von der sortentypischen Struktur der Gerüstsubstanz in der Spindel. In der Versuchsstation der SAATEN-UNION in Grünseiboldsdorf bei Moosburg, ist man mit wissenschaftlichen Methoden dem Märchen von der dicken Spindel auf den Grund gegangen. Hat nicht jedes Märchen einen wahren Kern?
Acht sehr unterschiedliche Sorten standen im Versuch. Getrocknet betrug ihr mittlerer Spindeldurchmesser 35mm, der Kolbendurchmesser ohne Lieschblätter 49 mm. Von allen untersuchten Sorten hatte die Körnermais-Neuzulassung Sulexa K220 den schlanksten Kolbentyp, der im Versuch 31mm Spindel- und 45mm Kolbendurchmesser maß. Das Gegenstück dazu lieferte Susann K280. Diese Sorte ist in der Praxis bekannt für ihren hammerartigen Kolben, der es im Versuch auf stolze 42 mm Spindel- und 56mm Kolbendurchmesser brachte. Aber wie sieht es bei der Trockenmasse aus? Die Kolbentrockenmasse im Mittel der acht Sorten zur letzten Ernte betrug 166 Gramm (Abb.1). Zwei Monate vor diesem Termin waren es erst 123 Gramm. Der Spindelanteil war dabei zunächst relativ hoch, denn die Kornfüllung war noch nicht beendet, die Spindel aber schon voll ausgebildet. In der zeitlichen Folge sanken die Spindelgewichte leicht ab, um erst am letzten Termin, der nach Abschluss der physiologischen Reife lag, wieder leicht anzusteigen (Abb. 2). In dieser Phase gibt es auch normalerweise leichte Rückgänge im Kornertrag (s. auch praxisnah 3/2009). Die Unterschiede zwischen den Sorten erreichen an verschiedenen Ernteterminen maximal 1,7% Anteil der Spindel an der Kolbentrockenmasse. Dabei ist aber ausgerechnet die dickere Spindel die leichtere.
Dr. Andreas Groß
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