Hafer ist nicht nur die umweltfreundlichste Getreideart, sondern mit dem Produktionsziel Qualitätshafer zugleich eine hochwirtschaftliche Marktfrucht. Erlöse auf Weizenniveau gepaart mit geringsten Erzeugungskosten bringen hohe Deckungsbeiträge - dazu kommt der enorme Vorfruchtwert.
Qualität ist gefragt, das gilt auch für Hafer! Während Futterhafer im 8-jährigen Schnitt bei 11,17 €/dt notiert, brachte Qualitätshafer im Mittel 12, 35 und liegt damit auf vergleichbarem Niveau wie Backweizen (Abb.1).
Zwar können die Hafererträge aufgrund der kürzeren Vegetationszeit nicht mit Winterweizen konkurrieren. Allerdings sind die Produktionskosten um etwa 300 €/ha niedriger, bei einem Preisniveau von 12 €/dt macht Hafer damit 25 dt/ha „gut“.
Die ausgedehnte Haferwurzel besitzt eine exzellente Nährstoffaneignung. Selbst Spitzenerträge von über 80 dt/ha erfordern nicht mehr als 70 – 90 kg/N mineralische N-Düngung. Die geringen Restnitrat-Gehalte nach Hafer werden im Hinblick auf die Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinie wird zukünftig vermehrt Bedeutung erlangen. Grundnährstoffe werden von der mächtigen Haferwurzel ebenfalls besser erschlossen, über einen größeren Anteil Bioporen profitiert davon auch noch Nachfrucht.
Zudem ist Hafer das gesündeste Getreide mit der besten Unkrautunterdrückung. Fungizide und selbst Herbizide können sehr gezielt eingesetzt werden, auch im Hochertragsbereich bleiben die Mittelkosten meist unter 50 €/ha (Abb.2). Fest eingeplant werden sollte ldagegen eine rechtzeitige Läusebehandlung gegen Haferröte und in üppigen Beständen eine Halmverkürzung.
Bei der ökonomischen Bewertung des Hafers ist der hohe Vorfruchtwert zu berücksichtigen – aus diesem resultieren geldwerte Vorteile:
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Vergleichsweise geringe Vorfruchtansprüche,
ideal als abtragende Frucht z.B. nach Weizen oder Mais. -
Optimale Gare dank bester Bodenbeschattung und -durchwurzelung
Weizen nach Hafer drischt deutlich mehr als in Selbstfolge! - Verringerung des Infektionspotentials mit Fusskrankheiten (Schwarzbeinigkeit!), davon profitieren vor allem Weizen und Triticale.
- Als Sommerung verringert Hafer Vergrasungproblemen infolge Resistenzbildungen oder reduzierter Bodenbearbeitungsintensität.
Für die folgende Kalkulation wurde der Vorfruchtwert des Hafers in der Summe mit 60 €/ha eher zurückhaltend kalkuliert. Je enger und „winterlastiger“ eine Fruchtfolge ist, umso höher ist dieser Wert einzelbetrieblich einzuschätzen.
Wann rechnet sich Qualitätshafer?
Unter den in Tabelle 1 getroffenen Annahmen hinsichtlich der Ertrags- und Preisrelationen ist Qualitätshafer hochwirtschafltich. Bereits ohne Berücksichtigung des Vorfruchtwerts ist er Stoppelweizen überlegen, mit Vorfruchtbewertung kann er sogar mit Backweizen konkurrieren.
Allerdings geht diese Rechnung nur auf, wenn die Ernte als Premiumfutter oder Schälafer zu einem Preisniveau nahe Weizen vermarktet werden kann. Entscheidend hierfür sind - neben heller Färbung und einwandfreiem Geruch - große, bauchige Körner. Diese erreichen gleichzeitig eine gute Sortierung (90% > 2mm), TKM’s über 30g sowie die geforderten hl-Gewichte über 54 kg.
Fünf Voraussetzungen sind entscheidend für diese Qualitätsziele:
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Standort
Hafer ist das dürreempfindlichste Getreide, nur gut wasserführende Standorte liefern zuverlässig hohe Ernten mit ausgezeichneter Kornausbildung. Ideal sind zudem die eher kühlen Lagen mit einer nicht zu schnellen Kornfüllung (z.B. Mittelgebirge, Küsten) -
Fruchtfolge
Qualitätshafer braucht keine Luxusvorfrucht und gelingt auch gut nach Wintergetreide, Mais oder späten Hackfrüchten. Wegen seiner Empfindlichkeit gegen Stockählchen sollte er allerdings nicht in Selbstfolge oder nach Sommergerste stehen. -
Sortenwahl
Als Schälmühlenhafer ist die Sorte IVORY mit ihrem außergewöhnlich großen Korn europaweit unschlagbar. Die Gelbhafersorten SCORPION oder TYPHON haben ebenfalls ein großes Korn und sind gut schälbar. Wie die neue Schwarzhafersorte ZORRO können sie auch lukrativ als Pferdefutter vermarktet werden. -
Saatzeit
„Maihafer ist Spreuhafer“. Je geringer der Standort bonitiert ist, umso wichtiger ist eine frühe Aussaat möglichst bis Ende März/Anfang April. Als langtagsbetontes Getreide benötigt Hafer ausreichend Vegetation im Kurztag für eine kräftige Trieb- und Wurzelentwicklung.
- Die Wirkung von N-Düngungs- und Fungizidmaßnahmen auf die Kornausbildung ist bei Hafer vergleichsweise gering. Dagegen ist der Spurenelementversorgung (Mn, Cu) auf tonarmen Standorten hohe Beachtung zu schenken, vor allem bei höheren pH-Werten (keine Kalkung zu Hafer)
Ausblick:
Auf geeigneten Standorten kann Qualitätshafer weizenbetonte Fruchtfolgen entlasten und lukrative Deckungsbeiträge realisieren. Steigende Ansprüche an eine klima- und grundwasserfreundliche Produktion sowie moderne Ernährungstrends stärken das Interesse am Haferanbau. Immer mehr Bundesländer honorieren im Rahmen der Modulation erweiterte Fruchtfolgen mit Sommergetreide und Leguminosen, Hafer als sehr kostengünstige Anbaualternative wird hiervon profitieren!

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