Strom oder Stroh |
20.10.2009 | Versenden | Druckversion | |
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Stroh wird knapp und wertvoll: in erster Linie als Humusbildner jedoch auch als Energie- und als Rohstofflieferant. In mehreren Projekten nimmt sich die Saaten-Union des Themas an, züchterisch und produktionstechnisch. So können die Getreidesorten zukünftig auch hinsichtlich des GPS- und Strohertrags detailliert beschrieben und entsprechende Anbauverfahren entwickelt werden. Zunächst ist jedoch zu klären, welches Nutzungspotenzial es überhaupt für Stroh gibt und in welchem Umfang es dem Bodenkreislauf entzogen werden kann. Stroh ist kein „Reststoff“ sondern ein wertvolles Ernteprodukt! Das reichlich enthaltende Lignin ist eine der energiereichsten organischen Verbindungen. Deshalb wird bei der Verbrennung besonders viel Wärme frei und deshalb bildet Stroh abbauresistenten Dauerhumus. Verwendung für Stroh über traditionelle Nutzungen hinaus gibt es zukünftig genug.
Wie viel Stroh kann runter vom Acker? Für die humideren Anbauräume West- und Süddeutschlands ist die Humuswirkung der organischen Düngung eher geringer einzuschätzen. Gleichzeitig baut sich in diesen umsetzungsstärkeren Regionen Humus schneller ab, die Humusbilanz wird also doppelt strapaziert. Berücksichtigt man zudem den zunehmenden Silomaisanbau und die humuszehrende Wirkung wärmerer Winter, stehen im Bundesdurchschnitt voraussichtlich nicht mehr als 30 % des Strohs als Nachwachsender Rohstoff zur Verfügung. Bei einer Ernte von 42 Mio. t Korn (ohne Mais) fallen jährlich in Deutschland schätzungsweise 37 Mio. t Stroh an. Dieses Aufkommen errechnet sich bei Stroh/Korn-Verhältnissen von 0,8 bei Gerste, 0,9 bei Weizen sowie 1,0 bei Roggen, Triticale und Hafer – m i t Berücksichtigung der Stoppelreste und der Spreu! Über alle Anbauregionen und Getreidearten errechnen sich daraus bis zu 10 Mio. t Stroh als Nachwachsender Rohstoff (Abb. 1).
Auf Standorten mit knapper organischer Substanz ist zudem der Verlust an Dauerhumus zu bewerten. Die LVFL Brandenburg kalkuliert, dass die Substitution der Humuswirkung über die Ausbringung von Fertigkompost mit 2,06 €/dt Stroh zu Buche schlagen würde. Zugrunde gelegt ist hierbei ein Preis von 15 €/t Fertigkompost in 30 km Entfernung. Noch teurer wäre es, die Strohabfuhr durch Umstellungen in der Fruchtfolge auszugleichen. Um beispielsweise die Wirkung von 200 t Stroh auszugleichen, müssten 15 ha Silomais durch 20 ha zweijähriges Ackergras ersetzt werden. Daraus errechnen sich Humusersatzkosten von 2,72 €/dt Stroh. Wo dagegen die Humusgehalte in Ordnung sind, kann auf die Bewertung der Humuswirkung verzichtet werden. Denn der Humusgehalt kann nicht über das standortspezifische Gleichgewicht hinaus angehoben werden, stattdessen steigen die Risiken für den Nährstoffaustrag. Wo kommt Strohverkauf in Frage Dabei ist natürlich auch der Standort und die Fruchtfolge zu berücksichtigen. Leichte Standorte oxidieren mehr Humus-C und benötigen dringend Ernterückstände für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, das gilt erst recht bei höheren Hackfrucht- oder Silomaisanteilen. Hohe Strohpreise sind bereits jetzt in Grenzlagen zu gründlandbetonten Regionen zu erzielen, beispielsweise in Süddeutschland oder in Grenzregionen zu den Niederlanden. Auch im Umfeld von Ballungsräumen gibt es lukrative Absatzmöglichkeiten für Stroh. Ergebnis Sven Böse
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