Frühsaat auf den Prüfstand! |
18.05.2007 | Versenden | Druckversion | |
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Kontinentaler Winter 2005/2006, der wärmste Herbst und der wärmste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 2006/2007: Mit dem Klimawandel müssen alle Anbaumaßnahmen auf den Prüfstand, vor allen anderen die Saatzeit! Denn diese bestimmt den Phänotyp und die Physiologie der Pflanzen weitreichender als andere Anbaumaßnahmen. Temperatursumme im Herbst heute 100° höher Die Saatzeit wurde vielerorts in den letzten Jahren deutlich vorgezogen. Schließlich versprechen Frühsaaten mehr Ertrag, weil die Ertragskomponenten früher fixiert werden, eine bessere Arbeitsverteilung und eine bessere Auslastung der Drilltechnik. Dem stehen allerdings Risiken gegenüber, die mit zunehmender Erwärmung dramatisch zunehmen. 1. Die Pflanzen leiden stärker und früher unter Krankheiten und Schädlingen: Was nützt das größte Wurzelwerk, wenn es durch Halmbruch, Schwarzbeinigkeit oder Rhizoctonia geschädigt ist? Die Spezialbeizung gegen virusübertragende Insekten und Schwarzbeinigkeit sowie zusätzliche Herbizid-, Wachstumsregler- und Fungizidapplikationen kosten schnell 100€/ha, umgerechnet 8–9dt/ha! Bodenbürtige Virosen sowie Wurzel- und Stängelählchen werden ebenfalls gefördert, alle praktisch ohne Bekämpfungsmöglichkeit. 2. Ein weiteres Risiko liegt in der dramatisch anwachsenden Konkurrenz zwischen den vielen Bestockungstrieben. Die beiden Triebe 2. Ordnung sind noch genauso leistungsfähig wie der Haupttrieb, auch die vier daraus entspringenden Triebe können noch maßgeblich zum Ertrag beitragen. Die zahllosen Triebe 4. und 5. Ordnung jedoch schwächen die Leistungsfähigkeit der Pflanze, weil sie an den älteren Trieben parasitieren. 3. Auch die Winterfestigkeit leidet unter extremen Frühsaaten, das hat der Winter 2006/07 in Nordostdeutschland dramatisch gezeigt. Die höhere physiologische Aktivität bzw. Wüchsigkeit einiger moderner Weizensorten verkürzt die Winterruhe und ist in vielen Anbausituationen ein großer Vorteil. Zusammen mit sehr früher Saat und einer extrem wüchsigen Herbst- und Winterwitterung führt diese Vitalität jedoch zu „vergeilten“ Beständen mit höherem Auswinterungsrisiko. Grundwissen auffrischen
Raues Jahr Hochertragsjahr Warmtrockenes Jahr Verantwortlich für diese Effekte war das massive Krankheitsauftreten: Mehltau, Rhynchosporium und Braunrost bauten sich bereits über Winter auf. Fungizidmaßnahmen brachten nach der sehr frühen Aussaat bis zu 37 dt/ha Mehrertrag! Kontinentalstandorte früher drillen In Abb. 3 ist die Wechselwirkung von Saatzeit und Saatstärke im Mittel dreier Standorte dargestellt. Danach gibt es im dreijährigen Mittel bei den sehr frühen und mittelfrühen Saatzeiten ein Ertragsoptimum bei 150 Kö/m2, bei der späteren Saat sind 200 Kö/m2 wirtschaftlicher.
Alle zwei Jahre einen Tag später drillen! Der dazugehörige Saattermin ist von erfahrenen Pflanzenbauer standortspezifisch abzuschätzen. Auf einem kalten Tonstandort in höheren Mittelgebirgslagen kann Mitte September optimal sein, auf milden Standorten (z.B. Niederrhein) Mitte Oktober. Entscheidend ist also die standortspezifische Temperatursumme vor Vegetationsruhe. Steigt diese im Mittel beispielsweise um 5 °C jährlich an, so ist die Saatzeit rein statistisch alle zwei bis drei Jahre um einen Tag nach hinten zu verlegen – nicht nach vorne wie bisher! Fazit:
Sven Böse
Saatzeit und Vorwinterentwicklung Eine frühe oder späte Saat ist nicht am Datum festzumachen, sondern an der Vorwinterentwicklung: Sehr frühe Saat: Die Pflanze erreicht bereits vor Winter das Bestockungsende (EC 29). Die generative Phase (EC 30) wird nicht eingeleitet, dazu fehlt die Vernalisation und der Langtag. Daher werden bei anhaltender Vegetation unzählige Bestockungstriebe zweiter und dritter Ordnung angelegt. Frühe Saat: Bei regionstypischem Witterungsverlauf wird das Stadium der Hauptbestockung (EC 25) erreicht. Die Bestockungstriebe breiten sich kriechend am Boden aus, die Blätter sind typisch spiralig, im Stängel differenzieren sich die Ährchenanlagen. Mittlere Saatzeit: Die Pflanzen bilden vor Winter normalerweise ein bis drei Bestockungstriebe aus (EC 21-23). Zu diesem Zeitpunkt differenzieren sich im Vegetationskegel die Ährchenringe von den Blattringen („Doppelringstadium“). Späte Saat: Die Pflanzen erreichen gerade noch das Dreiblattstadium (EC 13), sehr späte Saaten gar nur ein Blatt vor Winter (EC 11). Es haben sich noch keine Sekundärwurzeln gebildet, die Keimpflanzen leben von den Saatkornreserven. |
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