Drei neue Herausforderungen für die Weizenzüchtung |
18.05.2007 | Versenden | Druckversion | |
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Die Veränderungen des Klimas, der Produktion und die Neuausrichtung der Verwertung bestimmen maßgeblich die Ausrichtung der Züchtungsaktivitäten. Dabei verliert der Weizenzüchter Dr. Ralf Schachschneider sein Ziel - die Maximierung des Flächenertrages bzw. die in der Biomasse gebundenen Sonnenenergie - nicht aus den Augen. Klimatische Anpassungsfähigkeit Die zunehmende Häufigkeit extremer Wettersituationen und deren schneller Wechsel ist die für die Züchtung relevante Klimaveränderung. Milde Winter zum Beispiel bestehen oft aus einer wechselnden Folge „zu warmer“ und „zu kalter“ Abschnitte. Damit bedeuten sie extremen Stress für die Pflanze und verlangen eine „komplexe“ Winterhärte. Die Niederschlagsverteilung wird sich durch (kurze) Phasen des Überangebotes und Phasen des Wassermangels auszeichnen. Besonders die gefürchtete Vorsommertrockenheit kann erhebliche Ertragsdepressionen nach sich ziehen. Die täglichen Temperaturverläufe werden die physiologische Leistungsfähigkeit und die Energiebilanz der Pflanzen beeinträchtigen. Bei starker Sonneneinstrahlung und Tageshöchstwerten von über 28 °C wird die Leistung der Photosynthese reduziert. Bei hohen Nachttemperaturen steigen die Atmungsverluste an.
Mit der Entwicklung von Hybridsorten hat man züchterisch die Möglichkeit, die Toleranz der Pflanzen maßgeblich zu erweitern. Der Heterosiseffekt zeigt sich vor allem in höherer physiologischer Aktivität, Wüchsigkeit, höheren Wurzelleistung und somit in der Ertragsstabilität unter Stressbedingungen. Aber auch bei der Züchtung stresstoleranter Liniensorten gibt es erste Fortschritte, die auf den entwickelten Genpools und dem europaweiten Prüfnetz basieren. Der „Europaweizen“ MULAN etwa durchlief in mehr als 10 europäischen Ländern die offiziellen Prüfungen mit Spitzenpositionen und begründet damit eine neue Sortenklasse mit hoher klimatischer Anpassungsfähigkeit.
Anbau verschleißt Pilzresistenzen Protein oder Stärke?
Kann die Weizenzüchtung die wachsenden Anforderungen erfüllen? Um Züchtungserfolge langfristig zu sichern, müssen drei Punkte geklärt sein:
1. Mit den Forschungsprojekten sind keine kurzfristigen Effekte, sondern der langfristige Vorlauf zu schaffen. Unser Beispiel zeigt, dass diese umfangreich und teilweise extrem langfristig sind. 2. Den klassischen Züchtungsmethoden werden wir auch den zukünftigen Züchtungsfortschritt zu verdanken haben. Diese werden jedoch ergänzt durch moderne Verfahren, z. B. die Doppelhaploidentechnik, welche die Sortenentwicklung verkürzen. Molekularbiologische Methoden oder gar Gentechnik werden in überschaubarer Zeit in der Weizenzüchtung nicht nennenswert helfen, die oben genannten Anforderungen zu erfüllen. Besonders wichtig und effizient ist es, die Selektionen an zahlreichen unterschiedlichen Orten durchzuführen, um so die Vielzahl möglicher Umweltsituationen zu „simulieren“. 3. Züchtungsfortschritt, die Verbesserung der „Gesamtheit der wertbestimmenden Eigenschaften“ hat einen Preis. Die Rendite beim Landwirt ist außerordentlich hoch. Die „Verantwortungsträger“ – Landwirte und Züchter – müssen gute Lösungen finden, um den zukünftigen Züchtungsfortschritt finanzieren zu können. In den Jahren des Getreideüberschusses war Ertragsmaximierung in der Öffentlichkeit nahezu verpönt. Seit Jahren sind die weltweiten Getreidereserven rückläufig. Zunehmend mehr Getreide wird als Bioenergie verwertet, die zur Verfügung stehenden Anbauflächen sind jedoch tendenziell rückläufig. Dies hat dazu beigetragen, dass Ertragsmaximierung wieder anerkannt wird.
Dr. Ralf Schachschneider |
Länder, in denen der Europaweizen MULAn geprüft wurde
Stellt sich den Herausforderungen der Weizenzüchtung: Dr. Schachschneider |
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