Qualitätsweizen
Ein "alter Schwabe" wird wieder jung! |
13.06.2008 | Versenden | Druckversion | |
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Dinkel, auch „Spelz“ oder „Spelzweizen“ genannt, ist eine traditionelle Getreideart, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen Regionen Süddeutschlands verbreitet angebaut wurde. Durch die Intensivierung des Ackerbaus mittels Mineraldüngung und Pflanzenschutz wurde er zunehmend vom Weichweizen verdrängt. Doch die Nachfrage nach Dinkel wächst wieder – Dinkel erlebt eine Renaissance! Dinkel hat wie der Brotweizen einen hexaploiden Chromosomensatz und ist mit diesem eng verwandt. Im optischen Erscheinungsbild ergeben sich aber erhebliche Unterschiede: die Ähre des Dinkels erscheint flach, zweireihig und schmal. Sie ist in der Regel lang und meist leicht gekrümmt. Bei der Ernte werden keine Körner, sondern Vesen gedroschen. Dies sind die Ährchen mit den dazu gehörenden Spindelgliedern. Die Körner bleiben dabei in den Spelzen, daher auch der Name „Spelzweizen“. Zu den nackten Körnern gelangt man durch einen speziellen Verarbeitungsgang, dem sogenannten „Gerben“. „Biberacher Knauzenwecken“ – Dinkel-Seelen – Dinkelbier Viele Bäcker in Süddeutschland haben mittlerweile ein breites Sortiment an Dinkelprodukten im Angebot und informieren ihre Kunden auffallend detailliert über die Kulturart Dinkel. Typische Dinkelgebäcke sind „Biberacher Knauzenwecken“ und „Seelen“, wobei Dinkel mittlerweile auch in vielen Brotsorten und anderen Backwaren enthalten ist. Schwäbische Dinkelspätzle und Dinkelbier zeigen, wie vielseitig einsetzbar diese Getreideart ist. In der Teigreife geernteter Dinkel, der anschließend auf einer „Darre“ heruntergetrocknet wird, nennt man „Grünkern“. Grünkern findet z.B. in Suppen, Aufläufen und Bratlingen Verwendung. Der wachsende Rohstoffbedarf ist an den steigenden Anbauflächen abzulesen. In Bayern und Baden-Württemberg stieg die Anbaufläche im vergangenen Jahr auf knapp 20.000 ha und dürfte zur diesjährigen Ernte nochmals weiter gewachsen sein.
„Alter Schwabe“ ist sparsam beim Stickstoff Sparsam ist der „alte Schwabe“ auch im Umgang mit Stickstoffdünger. Durch seine Genügsamkeit ist der Dinkelanbau im ökologischen Landbau eine feste Größe. Er hat ein hohes Stickstoffaneignungsvermögen und ist daher mit 100 bis 130 kg N/ha gut bedient. Vergleicht man die N-Düngung in den LSV mit Weizen, so überrascht das mit knapp 80 kg N/ha geringe Düngungsniveau gegenüber 190 kg N/ha beim Winterweizen. Somit wurden dem Dinkel nur 40 % der N-Menge des Weizens verabreicht, während im Ertrag bei der zur Zeit ertragreichsten Sorte ZOLLERNSPELZ (Bundessortenamt Ertrag Note 7) immerhin 80 % des Weizens erreicht wurden (Abb. 1). Die niedrige N-Düngung wird deshalb vorgenommen, weil in den Sortenversuchen auch ältere, langstrohige und lageranfällige Sorten wie z.B. der OBERKULMER ROTKORN geprüft werden.
An der „Dinkelreinheit“ erhitzen sich die Gemüter Bei der Auswahl von Dinkel-/Weizenkreuzungen wurde sowohl in Richtung Dinkel als auch in Richtung Weizen selektiert. Alte Sorten generell als reinen Dinkel einzustufen und ertragreichere Neuzüchtungen als Weizendinkel zu bezeichnen ist schlichtweg falsch! Die Einkreuzung von Weichweizensorten wird seitens der Verarbeiter und Verbraucher oft kritisch gesehen, da befürchtet wird, dass dinkeltypische Eigenschaften verloren gehen. Dabei kommt es aber immer darauf an, wie viel vom Weizengenom überhaupt noch im Dinkel vorhanden ist. Die Anzahl der Kreuzungspartner aus dem jeweiligen Genpool und die Art der Selektion sind dabei von ganz entscheidender Bedeutung. Wird während des Züchtungsprozesses konsequent auf Dinkelmerkmale ausgelesen, so ist der Anteil des Weizengenoms möglicherweise kaum noch messbar.
Die zweijährigen LSV-Ergebnisse aus Baden-Württemberg dokumentieren diesen Züchtungsfortschritt (Abb. 3).
Dr. Peter Römer, Martin Munz
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