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Es ist schon sehr lange bekannt, dass die von dem Pilz Claviceps purpurea ausgebildeten sogenannten „Mutterkörner“ giftige Alkaloide bilden, die bei dem Verzehr großer Mengen Roggens die Gesundheit schädigen können. Durch diesen direkten Bezug der Pilzerkrankung zu dem Endprodukt (Brot, Futter) wird diese Erkrankung immer wieder in die öffentliche Diskussion gerückt. Die Züchter haben reagiert: Ein Schwerpunkt der Züchtung wird auf die Entwicklung von Sorten gelegt, die gegenüber Mutterkorn widerstandfähig sind.  

Wir möchten Ihnen auf diesem Seiten den Stand der züchterischen Aktivitäten kurz und übersichtlich darstellen (Aktuelle Fakten zu Mutterkorn) und Ihnen die Biologie erläutern (Was ist Mutterkorn?). Was Sie selbst gegen Mutterkorn unternehmen können lesen Sie im Beitrag "Anbaumanagement zur Reduzierung von Mutterkorn ".

 

Was ist Mutterkorn
(Claviceps purpurea)?

Die bekannten „Mutterkörner“ sind die Dauerformen (Sklerotien) des Pilzes Claviceps purpurea aus der Gruppe der Ascomyceten. Sie überdauern den Winter im Boden, um im Frühjahr auszukeimen, Fruchtkörper mit Schlauchzellen und Sporen zu bilden. Die Sporen können nur geöffnete Gräserblüten infizieren. Daher sind offen blühende Gräser und Getreide am meisten gefährdet. Nach einer Infektion (Primärinfektion), bei der Pilzsporen anstelle der Gräserpollen auf die Narben der blühenden Ähre fallen,  bildet der Pilz im Fruchtknoten der Pflanze ein Myzel. An einigen Pflanzen sieht man zu dieser Zeit im Bestand den sog. „Honigtau“- einzelne klebrige Tropfen in den Ähren. Diese Tropfen enthalten Konidien des Pilzes, von denen die Sekundärinfektion ausgeht, die besonders später blühende  Ähren betrifft. Aus dem Myzel bildet sich später das bekannte Mutterkorn, das bis zu 6 cm groß werden kann.

Einflussfaktoren des Infektionsniveaus von Claviceps purpurea:

  1. Jahreswitterung: Anhalten kühl-feuchte Witterung zur Roggenblüte
  2. Fruchtart: Roggen > Triticale > Hartweizen >> Weichweizen >> Gerste
  3. Standort: Auf Extremstandorten (Moor, Ton, Höhenlagen etc.) ist oft die Blüte verzögert und ungleichmäßig, was eine Infektion begünstigt.
    In Regionen, in denen sehr viel Roggen angebaut wird und/oder in denen zur Roggenblüte oft eine unbeständige Witterung herrscht, vergrößert sich von Jahr zu Jahr der Infektionsdruck.
    Feldränder und Wiesen stellen Infektionsquellen für den Roggenbestand dar.

     
  4. Bestandessituation: Ungleichmäßige Bestände blühen ungleichmäßig ab, was das Infektionsrisiko deutlich erhöht.

 

Aktuelle Fakten zum Thema Mutterkorn

1. Steigerung der Pollenschüttung:

  • Möglich wird eine bessere Pollenschüttung z.B. über die Einkreuzung von exotischen Genen („Iran-Gen“). Nachteile bei der Einkreuzung sind allerdings i.d.R. Ertragsrückgang und eine geringere Standfestigkeit.
  • Zur Steigerung der Pollenschüttung mischt die SAATEN UNION 10% Populationsroggen ein (s. auch unten „.Einmischen oder nicht?...“).

2. Verbesserung der Befruchtungsfähigkeit der Narbe

  • Die SAATEN UNION hat den züchterischen Schwerpunk auf die verbesserte Befruchtungsfähigkeit der Narben gesetzt. Bei der Sorte ASKARI ist dies hervorragend gelungen. In den Untersuchungen der Biologischen Bundesanstalt hat sich  ASKARI  als die gesündeste Sorte in Bezug auf Mutterkorn erwiesen!

Hybridsorten der neuen Generation können mindestens so widerstandsfähig gegen Mutterkorn sein wie Populationssorten!

3. Echte Resistenz

Oft wird bei sehr widerstandsfähigen Sorten auch von „Mutterkornresistenz“ gesprochen. Aber Achtung: Eine „echte“ Resistenz gegen Mutterkorn gibt es (noch) nicht. Diese läge dann vor, wenn es bei der entsprechenden Sorte zu keiner Infektion der Narbe kommen kann, weil entsprechende Mechanismen der Pflanze dies verhindern.

 

Einmischen oder nicht?

Bei den Hybridsorten der neuen Generation, die gegenüber Mutterkorn so widerstandfähig wie Populationssorten sind, stellen sich folgende Fragen:

  1. Brauchen diese neuen Hybriden überhaupt noch Einmischpartner?
  2. Eignen sich die neuen Hybriden selbst als Einmischpartner schwächerer Hybridsorten?

Die Antworten gibt die Blühbiologie des Roggen:

  1. Die Einmischung von einer genetisch möglichst wenig verwandten Sorte macht Sinn.

Roggen ist ein Fremdbefruchter
--> Fremdbefruchter akzteptieren Pollen umso besser, desto weniger verwandt (genetisch verschiedener) diese sind.
-->  Fremder Pollen führt zu besserem Kornansatz*.
-->
Besserer Kornansatz und damit mehr Ertrag

  1. Die neuen Hybriden sind als Einmischpartner weniger geeignet als die Populationssorten.

Der genetisch heterogene Populationsroggen blüht über einen längeren Zeitraum als der relativ homogene Hybridroggen

-->  Das Pollenangebot ist über einen rel. langen Zeitraum hoch
-->
Die später blühenden Nachschosser der Hybridsorte werden durch das länger anhaltende Pollenangebot der Populationssorte bestäubt.
-->
 Die mit den Roggenpollen konkurrierenden Pilzsporen finden keinen Platz und das Infektionsniveau ist damit deutlich reduziert.

 

Weitere Fragen zur Sortenwahl

Können die Roggenzüchter die Mutterkornproblematik über die Pollenschüttung lösen?

Über die Pollenschüttung kann man das Mutterkornproblem stark beeinflussen aber nicht lösen. Es gibt jedoch auch noch eine weitere Möglichkeit - die Verbesserung der Befruchtungsfähigkeit der Narbe. Daraus resultiert ein besserer Kornansatz und damit ein geringerer Mutterkornbefall. Bei ASKARI ist dies hervorragend umgesetzt worden und so hat diese Sorte die höchste Widerstandsfähigkeit gegen Mutterkorn.
Die SAATEN-UNION arbeitet züchterisch an beiden genannten Faktoren.

Wie steht die SAATEN-UNION zur Aussaat reiner Hybriden ohne Einmischung von Populationssorten?

Die SAATEN-UNION mischt in Hybridroggen 10% Populationsroggen ein, weil es durch den Populationroggen zu einem „doppelten Hybrideffekt“ kommt (Turbohybride): Nicht verwandter Pollen wird besser akzeptiert und führt zu besserem Kornsatz. Durch den langen Blühzeitraum der Populationssorten werden auch späte Seitentriebe befruchtet.

Wie ist RASANT hinsichtlich Mutterkornbefall zu bewerten?

RASANT ist die ertragreichste Roggensorte überhaupt und wurde speziell für die trocken-warmen Anbauregionen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. In Parzellenversuchen der BBA mit künstlicher Infektion (=extrem hohem Infektionsdruck) und ohne Mischungspartner war RASANT gegenüber Mutterkorn anfälliger als Vergleichshybriden etwa auf dem Niveau älterer Hybriden. Im großflächigen Praxisanbau bei geringerem Infektionsdruck und Populationseinmischung verringern sich die Unterschiede aber deutlich.

Warum argumentiert die SAATEN-UNION nicht lauter im Hinblick auf Mutterkorn, wo sie doch mit ASKARI eine Sorte mit höherer Widerstandsfähigkeit anbietet?

Die SAATEN-UNION biett ein breites Sortenspektrum, das allen Anforderungen der Landwirtschaft gerecht wird. Das hilft dem Praktiker auch dem Roggenanbau besser als „Panikmache“ bei Mutterkorn.

 

Unsere Sortenempfehlung

Auf stark gefährdeten Standorten empfehlen wir neben ASKARI auch FESTUS und FUGATO , zwei ebenfalls sehr gesunde Sorten hinsichtlich Mutterkorn.

 

           


Stand: 07.08.2009

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