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Mais



2016 – große Herausforderungen für den Mais

Keine Frage – das Erntejahr 2016 war außergewöhnlich und stellte auch den Mais vor besondere Herausforderungen. Ein regionaler Überblick von Henrike Wulfmeyer zeigt die klimatischen Besonderheiten sowie die Reaktionen der Maisbestände auf diese verrückte Saison.

Der Norden – verzögerte Aussaat und verfrühte Ernte

Starker Frostschaden an junger Maispflanze
Starker Frostschaden an junger Maispflanze
Ein milder norddeutscher Winter sorgte dafür, dass Zwischenfrüchte vielerorts nicht ordentlich abfroren und nachbearbeitet werden mussten. Zudem fiel in den Monaten November 2015 und Februar 2016 oft bis zu doppelt so viel Niederschlag wie üblich. Beides zusammen führte zu Bodenverdichtungen und Strukturschäden, die sich im Laufe der Vegetation bemerkbar machten. Größere Niederschlagsmengen Anfang bis Mitte April verzögerten regional entweder die Aussaat erheblich oder aber sehr früh gesäte Bestände hatten einen schweren Start. Ein Temperatursturz Ende April sorgte vielerorts sogar für einen Vegetationsstillstand – deutliche Auflaufprobleme und abgestorbene Keimlinge waren zu beobachten.

Eine erneute Starkregenperiode im Juni sorgte für Stickstoffverlagerungen und Staunässe, und sie machte Strukturschäden und Bodenverdichtungen sichtbar. Stickstoffmangel und eine schlechte Sauerstoffversorgung der Maiswurzeln waren die Folge.

Ausgleichend wirkte eine frühe Maisblüte, die den Maispflanzen mehr Zeit für eine gute Kolbenausbildung verschaffte. Während der Kolbenfüllung herrschten ideale Bedingungen: Bei sommerlichen Temperaturen waren die Bestände zunächst gut mit Wasser versorgt. Blieben auf leichten Standorten Niederschläge komplett aus, fehlte aufgrund der schlechten Wurzelausbildung hier aber bereits Ende August ohne Beregnung das Wasser. Erste Vertrocknungserscheinungen wurden früh sichtbar, sodass die ersten Bestände in Süd- und Ostniedersachsen bereits Anfang September gehäckselt werden mussten. Ab Mitte September begann flächendeckend die Ernte, wobei die Bestände teilweise abgereift, teilweise aber auch vertrocknet sind. Die Ertragserwartungen könnten daher unterschiedlicher nicht sein: Zwischen sehr gut und sehr schlecht wird je nach Boden und Standort alles dabei sein.


Der Westen – Witterungsextreme und niedrigere Ertragserwartungen

Nach feucht-warmem Winter und fehlender Bodengare durch Frosteinwirkung konnte zwar der erste Mais ab Mitte April gedrillt werden, ergiebige Niederschläge – teils auch als Schnee – sorgten dann allerdings dafür, dass die Aussaat um bis zu zwei Wochen unterbrochen wurde. Mancherorts musste das Maislegen sogar in schneebedeckte Flächen erfolgen! Früh gelegte Bestände hatten Auflaufprobleme und niedrigere Bestandesdichten waren die Folge. Regional trafen den Mais dann noch Starkniederschläge, sodass die Pflanzen in Senken und auf schnell wassergesättigten Böden unter längerem Sauerstoffmangel litten und Nährstoffe ausgewaschen wurden. Auf schweren Standorten führten vielfach Verschlämmungen zu ungleichmäßigem Feldaufgang mit vielen Nachzüglern. Versuche, mit flüssigem Stickstoff die Bestände nachträglich anzuschieben, schlugen oft fehl. Als Folge auch von Strukturschäden und „Sünden“ in der Bodenbearbeitung traten wellige Bestände auf (s. Bild).

Unregelmäßige Bestandesbildung, sichtbare Strukturschäden
Unregelmäßige Bestandesbildung, sichtbare Strukturschäden
In der Streckungsphase der Pflanzen sorgten regional auftretende starke Windböen bei weiterentwickelten Beständen teilweise sogar für Stängelbruch (Snapping).

Wie in vielen vorherigen Jahren wurde der Mais dann zusätzlich auch noch durch eine Hitzephase im Vorsommer besonders gestresst, bis er dann unter feucht-warmer
Witterung im Juli und August zumindest in einigermaßen normal entwickelten Beständen normale bis gute Kolben anlegte. Bestände, die unter Nährstoffverlagerung und bedingt durch schlechte Wurzelausbildung unter Wassermangel litten, konnten keine starke GTM-Leistung erreichen. Überraschend gut schnitten dagegen oft sehr leichte Standorte ab, auf denen sich im Frühjahr keine Staunässe hatte bilden können und auch keine Strukturschäden vorlagen. Auf diesen in Trockenjahren typischen Stressstandorten wurden 2016 sehr hohe GTM-Erträge realisiert, weil die Niederschläge in der entscheidenden Ertragsbildungsphase ausreichend vorhanden waren.

Im September ließen sehr hohe Tagestemperaturen mit starker Windeinwirkung die Maisblätter in kürzester Zeit abreifen und verstrohen, sodass auch die Bestände extrem schnell abreiften. Für eine optimale Silierung waren die TS-Gehalte jedoch in der Regel zu hoch. Dabei liefen die Sprosse und Kolben zunächst noch hinter der rasanten Verstrohung der Blattmasse hinterher. Allerdings konnte man auf Stressstandorten Sortenunterschiede beobachten. Die Sorte SURTERRA (S 250) reifte zwar ebenso schnell ab, schaffte es aber trotzdem, die Kolben voll zu bekommen (s. Bild).

Surterra machte oft auch bei Trockenheit die Kolben voll.
SURTERRA machte oft auch bei Trockenheit die Kolben voll.

Dieses in Kombination mit der heterogenen Abreife vieler Bestände machte es in diesem Jahr schwierig, den optimalen Siliertermin festzulegen. In besonders betroffenen Regionen wurden totreifende Bestände aus Angst vor Zusammenbruch als CCM „notgedroschen“, auch wenn die Nährstoffeinlagerung in das Korn noch nicht beendet war. Frühe CCM/Körnermais-Sorten mit fortgeschrittener Kornfüllung hatten im Gegensatz zu späteren Sorten noch genügend Zeit, Nährstoffe aus den schnell abreifenden Blättern ins Korn einzulagern.

Weniger Probleme als in anderen Jahren traten im Bereich der HTR-Blattfleckenerkrankungen auf. Auch offenes Fusarium war kaum zu beobachten, was auf die trockene Abreife und das schnelle Öffnen der Lieschen zurückzuführen ist.

Erste Praxiserhebungen zeigen, dass auf besten Standorten ca. 20 % und auf den besonders hart getroffenen Standorten um bis zu 70 % weniger Energieertrag als in normalen Jahren geerntet werden.


Vertrockneter Bestand in Brandenburg
Vertrockneter Bestand in Brandenburg
Der Osten – normaler Vegetationsverlauf und verfrühte Abreife

Im Osten Deutschlands erfolgte die Aussaat zum Teil termingerecht, zum Teil aber auch erst Anfang Mai. Zur Aussaat waren die Böden noch kühl, sodass der Mais etwas langsam, aber dennoch gleichmäßig aufgelaufen ist. Die Niederschlagsverteilung ließ in der Regel nichts zu wünschen übrig, entsprechend ungestört verlief die Bestandesbildung, selbst auf den leichten diluvialen Standorten (D-Standorte).

Auch bei verzögerter Aussaat blühte der Mais im Vergleich zu den Vorjahren um ca. eine Woche früher, was den Beständen zusätzliche Zeit für die Ertragsbildung ließ. Differenzierungen traten eigentlich erst im August auf: Durch die große Hitze sind die Bestände in einigen Regionen sehr schnell abgereift. Dies besonders dort, wo eine geringere Bodengüte mit einer geringen Niederschlagsmenge im Juli zusammenfiel. Wo vier Wochen kein Regen fiel, half auch eine hohe nutzbare Feldkapazität am Ende nicht weiter: Der Trockenstress war zum Teil enorm! Die sehr heißen Tage Ende August/Anfang September haben besonders die mittelspäten Sorten auf den schwachen Standorten noch stark negativ beeinflusst. Diese waren zum Monatswechsel in etwa in der Milchreife. Die Hitzeperiode hat das Blattwerk verdorrt, sodass die Sorten frühzeitig geerntet werden mussten und die Stärkeeinlagerung nicht abschließen konnten. Die frühen und mittelfrühen Sorten hingegen waren zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Stärkeeinlagerung des Korns fertig, hier hat die späte Hitzeperiode daher weniger Schaden angerichtet.

Anfang September wurde der Mais auf den schwachen und geschädigten Standorten nahezu restlos geerntet. Unter Umständen werden die teilweise sehr hohen TS-Gehalte die Silomaisqualität negativ beeinflussen, da sie zu einer mangelnden Verdichtung im Silo führen und so das Risiko einer Nacherwärmung steigt.


Der Süden – Nässe und Trockenheit

Auch in Süddeutschland erfolgte die Aussaat vielerorts verspätet erst im Mai, da der Boden noch nicht überall trocken genug war.

Die Monate Mai bis Juli waren auch hier durch sehr viel Regen, Nässe und Kälte geprägt – mit den besonders für schwere und strukturgeschädigte Böden bekannten Folgen für die Wurzelentwicklung, Nährstoffverlagerung und Sauerstoffgehalt. Maissorten mit einer starken Jugendentwicklung kamen tendenziell besser mit diesen Bedingungen zurecht. Bis Mitte August konnte von Sommer keine Rede sein, entsprechend mager fiel die Wärmesumme aus. Dieses Wärmedefizit verzögerte besonders auf strukturgeschädigten Böden die Entwicklung der Maisbestände. Ab Mitte August herrschten dann auch in Süddeutschland sommerliche Temperaturen mit längeren Perioden über 30 °C und warmen Nächten. Da die Wurzeln oft nicht gut ausgebildet waren, vertrockneten die Bestände trotz der vorangegangenen Niederschläge schnell. Durch die Wärme und den Wassermangel beschleunigte sich die Siloreife derart, dass auch die süddeutschen Landwirte bereits Anfang September mit der Ernte nicht nachkamen und überreifen Mais mit mehr als 40 % TS ernten mussten.

Vielerorts war Virusbefall sichtbar (rote Blätter), der den Mais im Ertrag jedoch nicht oder nur kaum beeinflusste. Allerdings stellte der starke Befall mit Läusen, die als Virusüberträger für nachfolgende Kulturen fungieren, ein Problem dar. So wurde beispielsweise der Gersten-Gelbverzwergungsvirus nachgewiesen, der auf junges Wintergetreide übertragen werden kann. Hier ist es empfehlenswert, auf resistente Gerstensorten, wie z. B. PAROLI, zurückzugreifen.

2016 war zudem ein Zünslerjahr. Die Bekämpfung mit Trichogramma mittels Multicopter wird in Baden-Württemberg mittlerweile flächendeckend angeboten und auch stark in Anspruch genommen (s. auch praxisnah 3/2016).


Fazit

Welche Rückschlüsse kann man jetzt aus diesem Ausnahmejahr ziehen? Sorten mit einer raschen Jugendentwicklung kommen meist besser mit widrigen Umwelteinflüssen im Frühjahr zurecht (z. B. MILKSTAR). Ein ausgeprägter Staygreen-Effekt, wie er beispielsweise für die Sorte SUSANN charakteristisch ist, lässt Bestände bei Hitze weniger schnell zusammenbrechen. Ganz wichtig ist es zudem, mit Zwischenfrüchten für eine gute Bodenstruktur zu sorgen.



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