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Winterweizen



Der Weg zu 10 Tonnen/ha - Bestandesführung von Hochertragssorten

Technische Innovationen wie die Erfindung des Mähdreschers, Wachstumsregler und chemische Pflanzenschutzmittel haben sich einschneidend auf die Züchtung und die Bestandesführung unserer Weizensorten ausgewirkt. Erträge von über 100 dt/ha sind keine Seltenheit mehr und können auf vielen Standorten sicher erreicht werden.

Bildquelle: Amazone
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Der Weg zu 10 to/ha
Dominierten bis in die 50er-Jahre langstrohige Sorten, waren mit Einführung des Mähdrusches kurze, standfeste Sorten mit festem Sitz der Körner gefragt. Mit der Zulassung des CCC in den 1960er-Jahren, war es (fast) ohne Risiko möglich, mehr Stickstoff zu düngen und dichtere Bestände hinzustellen. Die ersten Weizensorten, die davon profitierten, waren die Sorten Jubilar und Kranich. Allerdings zeigte sich sehr bald, dass mit hohen Ährenzahlen je Quadratmeter die Kornzahl je Ähre und der Einzelährenertrag stark zurückgingen. Der Belgier Laloux propagierte deshalb, die Aussaatstärke zu halbieren und legte damit zusammen mit dem Niederländer Darwinkel den Grundstein für die Bestandesführung. Heyland und Hanus rieten, durch schossbetonte N-Düngung die Kornzahl je Ähre stärker zu fördern. Davon profitierten in den 70er- und 80er-Jahren Kompensationstypen wie Caribo und Kanzler sowie Einzelährentypen wie Vuka.

Durch Einkreuzung von rht-Genen wurde es möglich, über die Bekörnung der Ährchen mehr Körner je Ähre und damit mehr Körner je Quadratmeter zu produzieren. Mit Korndichtetypen wie Ritmo gelang in der Praxis in den 90er Jahren der Sprung über die 10-Tonnen-Grenze (Tab. 1, zur optischen Optimierung bitte anklicken), die zuvor nur gelegentlich überschritten wurde. Diese Sorten kamen jedoch bei hoher Spätdüngung und durch lange Gesunderhaltung an ihre Grenzen, weil dann die Umlagerung der Assimilate in das Stroh verlangsamt wurde. Hochertragssorten wie Tommi hatten diese Probleme zwar nicht, dafür aber andere Schwächen. Trotzdem wurden bislang mit keiner anderen Sorte 124 dt/ha im DLG-Anbauvergleich geerntet. Einzelährentypen wie JB Asano können sehr große Samen bilden und das auch auf schwächeren Standorten. Für absolute Spitzenerträge fehlen aber die dazu notwendigen Körner je Quadratmeter, wenn Kahlfrost den Bestand dezimiert und die Bestandesdichte nicht mitspielt. Trotzdem bleibt JB Asano für verschießende Standorte eine interessante Sorte.

Erträge und Ertragsstruktur
Erträge und Ertragsstruktur
Was zeichnet heute Hochertragsorten aus?
Inzwischen sind Sorten im Markt, die sich durch gleichmäßige Ausprägung aller Ertragsmerkmale auszeichnen, also mit überdurchschnittlich hoher Bestandesdichte viele Körner je Ähre bilden können und trotzdem ein gleichmäßig (mittel-)großes Korn ausbilden (Tab. 2, zur optischen Optimierung bitte anklicken). In der Beschreibenden Sortenliste sind diese Sorten mit der Note 6 für die Ährenzahl, Note 6 oder 7 für die Kornzahl je Ähre und Note 5 oder 6 für das TKG ausgewiesen. Dazu gehören z.B. Anapolis, Ohio, Primus oder TOBAK. Der Vorteil dieser Sortentypen, speziell bei TOBAK, besteht in der trotz hoher Bestandesdichte guten Bekörnung der Nebentriebe. Diese unterscheiden sich bei rechtzeitiger Aussaat nicht von den Haupttrieben, bilden annähernd gleich viele Körner je Ähre und füllen diese auch mit Assimilaten. Das Geheimnis besonders dieser Sorte besteht darin, dass sie früh beginnt Ährchen zu bilden, obwohl sie als spät eingestuft wurde. Damit steht also auch für die Ährchenanlage in den Nebentrieben genug Zeit zur Verfügung. Andererseits kommt sie nicht zu spät zur Blüte, dadurch bleibt genug Zeit für die Kornbildung und Kornfüllung.

Ertragsstruktur
Ertragsstruktur
Ziel der Bestandesführung: Gleichmäßige Ausbildung der Ertragsparameter
Das Ziel der Bestandesführung von Hochertragssorten ist die gleichmäßige Ausbildung aller Ertragsparameter unter unterschiedlichen Verhältnissen. Erste Voraussetzung hierfür ist die gleichmäßige Verteilung der Samen, hinsichtlich Ablagetiefe und Abstand in der Reihe. Wird der Wurzelraum durch zu enge Ablage des Saatgutes eingeschränkt, sind Höchsterträge nicht möglich. Ein Beispiel: Eine TOBAK-Pflanze bildet einen etwa 3 cm breiten Wurzelbogen aus, bevor sie nach unten wächst. Damit benötigt diese Sorte 3 cm Platz zur nächsten Nachbarpflanze, was 33 Pflanzen je Meter in der Reihe entspricht oder 265 Pflanzen/m² bei 12,5 cm Reihenabstand. Das ist der optimale Ausgangsbestand für TOBAK, um mit drei Ähren je Pflanze 600 Ähren/m² auszubilden, wenn wir unterstellen, dass 10 % der ausgesäten Körner nicht auflaufen und weitere 10 % der Pflanzen über Winter ausfallen.

Kornzahl/Ähre in den Nebentrieben durch rechtzeitige N-Startgabe fördern
Um die Ährenbildung der Nebentriebe zu unterstützen, müssen diese von Beginn der Bestockung an ausreichend mit Nährstoffen und vor allem mit Stickstoff versorgt sein, damit genug Spindelstufen gebildet werden können.

Im Frühjahr muss die N-Startgabe spätestens bis zum „Doppelringstadium“ (ab 15. März) wirken, um den Cytokinin-Pool in der Pflanze zu aktivieren, der die Ährchenanlage vor allem in den Nebentrieben pusht. Die Harnstoff-Düngung muss dazu etwa drei bis vier Wochen vorher erfolgen, mit der KAS-Düngung kann bis eine Woche vor dem Doppelringstadium gewartet werden (Tab. 3, zur optischen Optimierung bitte anklicken).

Um 600 Ähren/m² auszubilden, muss der Weizen bis zum Schossen („Spitzenährchen“) etwa 65 kg/ha N aufnehmen. Berücksichtigt man die N-Aufnahme im Herbst und den Bodenstickstoff, reichen dazu je nach Bodenart, Vorfrucht und Nmin-Vorrat in der Krume zwischen 30 und 70 kg/ha N.

Hohe N-Versorgung während des Schossens
In den 40 Tagen zwischen Spitzenährchen (= Abschluss der Ährenanlage) und der Blüte entscheidet sich in der „Großen Periode“ des Weizens, ob wir mit Spitzenerträgen rechnen können. In dieser Zeit muss der Weizen für 120 dt/ha Ertrag zwischen 140 bis 160 kg/ha N aufnehmen, das sind 3,5 bis 4 kg/ha N am Tag. Aus dem Boden werden pro Tag zwischen 0,7 und maximal 2,5 kg/ha N nachgeliefert. Aus der Düngung müssen dann zwischen 2 und 3 kg/ha N pro Tag kommen oder 80 bis 120 kg/ha N.

Der richtige Zeitpunkt für die Ertragsdüngung zum Schossen
Nach einer verhaltenen Startgabe, sollte die Ertragsdüngung ab dem Spitzenährchen (EC 30/31) fallen, wenn die Ähre etwa 1 cm lang ist. Wurde zum Starten mehr Stickstoff gedüngt und haben die Weizenpflanzen noch zu viele kleine Triebe, ist es besser, die Ertragsdüngung erst in EC 31/32 zu geben, wenn der zweite Knoten sich vom ersten löst, bevor die „Große Periode“ der Ähre einsetzt. Höchste Erträge sind nur mit einem Wurzelwerk möglich, das möglichst lang intakt bleibt. Mit der N-Düngung von 30 bis 50 kg/ha N in der (späten) Schossphase (ab EC 32/37) als vorgezogene Spätdüngung können wir die Alterung der Wurzeln und den vorzeitigen Wurzelabbau hinauszögern und gleichzeitig die Bekörnung der Ährchen unterstützen. Mit Ausnahme der tiefgründigen Lößböden ist es auf vielen Standorten angebracht, mit der späten Schossdüngung eine zweite Schwefelgabe zu geben, um die Proteinbildung bei sehr hoher Ertragserwartung zu unterstützen.

Auch zur Kornbildung braucht der Hochleistungsweizen Stickstoff
Nach der Blüte müssen in das Korn 180 bis 220 kg/ha N eingelagert werden, wenn 100 oder gar 130 dt/ha Ertrag angepeilt werden. Zwischen 90 und 120 kg/ha N werden durch Umverlagerung von Stickstoff aus Blättern und Halmen in das Korn transportiert, die restlichen 90 bis 130 kg/ha N müssen aus dem Boden aufgenommen werden.

Die notwendige Düngermenge ist davon abhängig, was der Boden an Stickstoff freisetzt. Die N-Nachlieferung lässt im Juni langsam nach, um dann im Juli zu stagnieren. Begrenzend wirkt die Verfügbarkeit von leicht zersetzbarem organischem Material. Kam die Nachlieferung früh und intensiv in Gang, ist mit weniger Freisetzung von Stickstoff nach der Blüte zu rechnen. Nach spätem Vegetationsbeginn oder nach einer ausgeprägten Frühjahrstrockenheit kommt i.d.R. nach der Blüte mehr Stickstoff aus dem Boden. Dafür musste zum Start bzw. zum Schossen mehr gedüngt werden.

Höhe und Aufteilung der N-Düngung
Höhe und Aufteilung der N-Düngung
Aufteilung von Ertrags- und Spätdüngung
Um es nicht zu kompliziert zu machen, fassen wir Ertragsdüngung und Spätdüngung zusammen: Insgesamt muss ein Hochertragsweizen für 120 dt/ha ab Schossbeginn 280 kg/ha N aufnehmen können. Nach der Ernte verbleiben 60 kg/ha N im Boden, der Gesamtbedarf an Stickstoff liegt dann bei 340 kg/ha N (Tab. 3).

Berücksichtigt man den Nmin-Vorrat im Wurzelraum (z.B. 50 kg/ha in 0 bis 60 cm) und eine N-Freisetzung (Nmob) von 100 kg/ha (60 BP, Raps als Vorfrucht, keine organische Düngung), dann müssen im Schossen und als Spätgabe 190 kg/ha N gedüngt werden. Davon sollten etwa 40 % zwischen EC 30 und EC 31/32 fallen, 30 % in EC 32/37 und 30 % als Spätgabe!

Fazit
Mit dieser Aufteilung der N-Düngung lassen sich Ertrag und Proteingehalt im Korn auch bei einer Hochertragssorte optimieren. Gleichzeitig wird dadurch eine nahezu optimale Verwertung der N-Düngung erreicht, d.h. 90 % des Düngerstickstoffs wird durch das Eiweiß im Korn verwertet. Entziehen wir regelmäßig mehr Stickstoff, als wir zuführen, bauen wir auf Dauer den Nährhumus im Boden ab mit der Folge, dass wir die Fruchtbarkeit unserer Böden gefährden.

Dr. Hansgeorg Schönberger



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