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Futterrüben „on top“ gehen immer

Futterrüben finden wieder den Weg in den Trog! Ende Juli folgten etwa 60 Landwirtinnen und Landwirte der Einladung der Agrarberatung-Mitte e.V. in Schleswig-Holstein zu einem Informationstag rund um die Futterrübe. Gerade vor dem aktuellen agrarpolitischen Hintergrund (Greening) werden Futterrüben hochinteressant – und sind für viele ein oft noch unbekanntes Terrain.

Kühe mögen Futterrüben auch dann, wenn sie schon satt sind.
Kühe mögen Futterrüben auch dann, wenn sie schon satt sind.
„Da immer mehr unserer Kunden Fragen zu Futterrüben hatten, haben wir reagiert und diese Veranstaltung organisiert. Wir möchten gemeinsam mit Fachleuten aus der Futterrübenbranche komprimierte Informationen zu Fragen der Produktion, Ernte und Lagerung geben können. Und die Aufgabe der Agrarberatung ist es dann, eine ökonomische Bewertung vorzunehmen“, fasst Mitorganisator und Referent Jan Oke Sacht die Beweggründe des Gastgebers zusammen. Unterstützt wurde der Tag durch die SAATEN-UNION, das Züchterhaus W. von Borries-Eckendorf und das Lohnunternehmen Honermeier. Trotz besten Sommerwetters war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, und die hochinteressanten Vorträge wurde rege diskutiert.

volles Haus
volles Haus
Neue Genetik für mehr Ertrag
guter Sitz, wenig Erdanhang
guter Sitz, wenig Erdanhang

Frederik Schirrmacher, Produktmanager des Pflanzenzuchtunternehmens W. v. Borries-Eckendorf, machte in seinem Vortrag klar, dass Futterrüben nach wie vor züchterisch bearbeitet werden. So stünden jetzt auch in Deutschland neue leistungsstarke Sorten zur Verfügung. Er nannte die Sorten RIBAMBELLE (Zulassung 2010) und ENERMAX (2011) als aktuelle Beispiele für moderne Energie-/Futterrübentypen mit Trockenmasseleistungen von mehr als 20 t/ha. Versuche in Kooperation mit der FH Soest hätten auch gezeigt, dass sich solche Erträge durchaus mit Maiserträgen messen können. Futterrüben würden schon zu relativ zeitigen Ernteterminen akzeptable Erträge bringen, so dass die Bodenbefahrbarkeit zur Ernte gut sei und genügend Zeit für die Bestellung und Vorwinterentwicklung einer Nachfolgekultur zur Verfügung stünde. Auch die sehr positive Vorfruchtwirkung der Rübe sei nicht zu unterschätzen.

Für eine nachhaltige Humuswirtschaft

Andreas Henze
Andreas Henze
Andreas Henze, SAATEN-UNION, freute sich über das wiedererstarkte Interesse an einer Kultur, die er seit Jahren in Versuchen und im Anbau betreut. „Wir müssen die engen, oft viel zu maislastigen Fruchtfolgen ganz neu überdenken, um dem Boden und Grundwasserschutz, der zunehmenden Unkrautproblematik und den gesellschaftlichen Forderungen nach mehr „Landschaftsästhetik“ gerecht zu werden. Und letztlich auch, um stabiler mehr Geld zu verdienen“, forderte er das Auditorium auf. „In den nördlichen Milchviehregionen Schleswig-Holsteins, nehmen die Probleme zu. Dort werden oft weniger als 120 dt/ha Mais geerntet!“

Um konstante Erträge/ha, vor allem auch in klimatisch schwierigen Jahren erzielen zu können, biete sich die Futterrübe ideal als Partner zu Mais in der Fruchtfolge und auch in der Ration an. Man müsse beim Anbau jedoch berücksichtigen, dass die Futterrübe genau wie der Silomais ein Humuszehrer sei. Der Einsatz von Zwischenfrüchten und/oder Grasuntersaaten vor beiden Kulturen sei daher sehr zu empfehlen.
Henzes Vorschlag: „Die bedeutendsten Zwischenfrüchte in Rübenfruchtfolgen sind Senf und Ölrettich. Mit Blick auf eine nachhaltige Humuswirtschaft sowie auf den Erosionsschutz bietet sich für die Region Rendsburg für Milchvieh- und Biogasbetriebe folgende Fruchtfolge an:

Mais – Roggen-GPS – Zwischenfrucht (z.B. viterra® MULCH) – Futterrüben (in Mulchsaat) – Roggen-GPS – Mais.”

Um den positiven Effekt von Gras auf die Humusbilanz zu nutzen, empfiehlt er als Zwischenfrucht eine Mischung aus abfrierenden Komponenten und Gras (z.B. viterra® UNIVERSAL WINTER). „Nach der Ernte des Getreides kann die Mischung bis Mitte August gesät werden. Der Bestand entwickelt sich vor Winter zügig. Das Gras fördert somit den Humusgehalt des Bodens und durch die bessere Befahrbarkeit ist ein zeitiges Ausbringen des organischen Düngers im Frühjahr gewährleistet.”

Henzes Prognose für die Futterrübe: Steigende Temperatursummen (Klimaveränderungen), die Notwendigkeit erweiterter Fruchtfolgen, die guten Futtereigenschaften und die Möglichkeit des Anbaus auf Grenzstandorten und Höhenlagen werden für steigende Anbauflächen sorgen.

Problemlose Rodung und Lagerung
Der Lohnunternehmer Jens Honermeier rodet mit der Rüben- und Dienstleistungs AG Nord jährlich insgesamt ca. 5.500 ha Rüben, in erster Linie Zuckerrüben. Probleme bei der Ernte der Futterrüben sieht er keine, auch die Lagerung sei seiner Ansicht nach unkompliziert. Maismischsilagen hält er für nicht praktikabel, die gleichzeitige Einlagerung von Mais, Rüben und das parallele Festfahren, könne leicht zu „einem totalen Gewusel auf dem Silo“ führen – zum Nachteil für die Siloqualität.

Aus seiner Erfahrung heraus, rät er zur klassischen Mietenlagerung ganzer Rüben, wenn notwendig nach Trockenreinigung plus Vliesabdeckung. Das sei unkompliziert, günstig und verlustarm. Auf keinen Fall sollte man eine Nassreinigung vor der Einlagerung vornehmen: wenn überhaupt, dann nach der Entnahme vor dem Füttern.

Steine müssen raus!
Eine zuverlässige Trockenreinigung zur sicheren Beseitigung auch größerer Steine war für alle Anwesenden ein sehr wichtiger Punkt – für einige sogar das einzige Kriterium, an dem ein Futterrübenanbau bis dato gescheitert sei. Honermeier berichtete, dass es in diesem Punkt in jüngster Zeit intensive Bemühungen seitens der Maschinenhersteller gebe.

Er betonte abschließend, dass die Rübe keine „Selbstläufer-Kultur“ sei und ein relativ hoher Input erforderlich sei – eine Kultur für Fortgeschrittene. Aber er lobte die sehr hohe Ertragssicherheit – selbst in niederschlagsarmen Sommern.

Betriebswirtschaftlicher Vergleich
Betriebswirtschaftlicher Vergleich
Futterrübe passt in die Ration und rechnet sich
Jan Oke Sacht von der Agrarberatung-Mitte e.V. stieß mit seinem Vortrag zur Ökonomie von Futterrationen mit Futterrübe auf großes Interesse.

Eckdaten für eine Rübenfütterung:

  • Max. 20 kg Frischmasse pro Tier und Tag
  • Lagerzeit maximal 150 Tage
  • Futterrüben sind für die Trockensteher nicht geeignet!
  • Es reicht, wenn die Rüben vor der Vorlage z.B. im Futtermischwagen „angeschlagen“ sind; vollständiges Zerkleinern ist nicht notwendig.

Sacht konnte in seinen Beispielrechnungen darstellen, dass man zwar mit Futterrüben in der Ration andere Komponenten wie Kraftfutter einsparen kann. Dazu kommen Aspekte der Tiergesundheit und Fruchtbarkeit sowie die Tatsache, dass mit Futterrüben die Grundfutteraufnahme steigt. Der finanzielle Aufwand für Mehrarbeit, notwendige neue Technik und Lagerungsmaterial ist jedoch auch zu berücksichtigen. „Futterrübenanbau ist nicht kostengünstig – bringt allerdings mehr Ertragssicherheit in die Fruchtfolge“, meinte Sacht. „Aus Sicht der Beratung sollte die Futterrübe aber gerade jetzt in der Greening-Diskussion berücksichtigt werden.“

Fazit
Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Greening-Diskussion ist die Futterrübe für Milchviehhalter wieder sehr interessant geworden. Trotz eines gewissen produktionstechnischen Aufwandes, ist die Ertragssicherheit unübertroffen. Ernte und Lagerung sind relativ unproblematisch und voll mechanisiert. Lediglich Steine stellen teilweise ein Problem dar. Hinzu kommen neue Sorten, eine hervorragende Tierakzeptanz und ein sehr guter Futterwert. In der Summe sind Fruchtfolgen mit Futterrüben hochinteressant!

Dr. Anke Boenisch

Tipps zur Produktionstechnik Futterrübe

  • Saat: 80.000–100.000 Pfl./ha, Abstand der Rüben in der Reihe 20–22 cm, Reihenabstand 45–50 cm je nach Rodetechnik, 2–3 cm Ablagetiefe in gut abgesetzte Böden; das Saatgut sollte mit etwas lockerem Boden bedeckt sein
  • Pflanzenschutz: Obligatorisch ist eine umfassende und gründliche Unkrautbekämpfung im Splittingverfahren; Rüben müssen generell sauber sein.
  • Düngung: Auf ausreichende Versorgung mit Bor und Mangan ist zu achten.
    N ca. 180 kg/ha, P2O5 ca. 100 kg/ha und K2O ca. 300 kg/ha
  • Ernte/Lagerung: Bleibt das Rübenblatt auf dem Feld, bringt es ca. 40–60 kg/ha N für die Nachfrucht. Die Lagerung der Futterrüben kann relativ einfach auf festem mit Gras bewachsenen Untergrund (besser jedoch Betonplatte) erfolgen, z.B. mit einer Stroh-Quaderballen-Begrenzung und einer Vliesabdeckung der ganzen, frischen Rüben. Von einer Nassreinigung der Rüben, vor der Lagerung, wird dringend abgeraten.

Exkurs: Erfahrungen mit Futterrüben:

Marko Voss, Arpsdorf, hat bereits zwei Jahre Anbauerfahrung mit Futterrüben und fasst diese wie folgt zusammen:

1. Das erste Anbaujahr hat gezeigt, dass Futterrüben auf vergleichbaren Standorten mit längerer Trockenheit deutlich besser zurechtkommen als Mais. Futterrüben richten sich mit dem ersten Regen wieder auf und wachsen weiter. Die Ertragssicherheit ist also besser. 2014 stehen die Rüben bisher sehr gut. (Stand Juli 2014)

2. Die Akzeptanz im Stall ist unübertroffen hoch. Futterrüben gehen „als Nachtisch” immer.



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