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Zwischenfrüchte / Greening



Bodenverdichtung vermeiden – Ertragsdepressionen vorbeugen

Der landwirtschaftliche Boden muss einerseits ein leistungsfähiger Standort mit gutem Gefüge und andererseits Fahrbahn für schwere Maschinen sein. Dr. Markus Demmel, LfL Bayern, erläutert die Möglichkeiten, in der modernen Landwirtschaft Bodengefüge und -leistungsfähigkeit langfristig zu sichern.

Bildquelle: Brandhuber
Bildquelle: Brandhuber
Um das Ertragspotenzial von Acker und Grünland voll auszuschöpfen, müssen Bodenverdichtungen unbedingt vermieden werden. Das bedeutet, dass beim Befahren die Tragfähigkeit des Bodens nicht überschritten wird und das Bodengefüge in gutem Zustand verbleibt.

Boden und Technik im Auge behalten
Das Ziel „bodenschonendes Befahren“ muss von zwei Richtungen angegangen werden. Eine Seite ist die Tragfähigkeit des Bodens zum Zeitpunkt des Befahrens: Je feuchter der Boden, desto eher kommt es bei Belastung zu Verformung und Verdichtung. Auch starke Lockerung verringert die Tragfähigkeit.

Die zweite Seite ist die zum Einsatz kommende Technik. Der Trend, leistungsfähigere und damit auch größere und schwerere Landmaschinen einzusetzen, ist ungebrochen. Die Landmaschinenhersteller versuchen mit technischen Entwicklungen negativen Folgen auf das Bodengefüge entgegenzuwirken. Neue Reifen- und Fahrwerkstechnologien, aber auch veränderte Anbauverfahren und Verfahrenstechnik zählen hierzu. Wie lässt sich vorhandene Technik bodenschonend einsetzen und welche Investitionen können gezielt bodenschonende Effekte erreichen?

Bodenschäden durch schwere Erntemaschinen auf nassem Bode; Bildquelle: Brandhuber
Bodenschäden durch schwere Erntemaschinen auf nassem Bode; Bildquelle: Brandhuber
Bodenfeuchte entscheidet über Befahrbarkeit
Für maximale Erträge müssen Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen den Bodenraum uneingeschränkt erschließen und nutzen können. Bodenverdichtungen aber bedeuten die Einengung oder gar Zerstörung der Versorgungsleitungen, die Sauerstoff in den Boden leiten, Dränung gewährleisten und so Staunässe und mangelnde Nährstoffverfügbarkeit vermeiden. Besonders im Frühjahr kommt es darauf an, dass überschüssiges Wasser abgeleitet wird, damit sich die Krume schnell erwärmt und die Stickstoffmineralisierung in Gang kommt. Ein Boden kann nur dann ein gutes Gefüge ausbilden, wenn das wichtigste Gebot dazu beherzigt wird: Nasse Böden nicht befahren! Mit zunehmendem Wassergehalt nimmt die Tragfähigkeit eines jeden Bodens stark ab – so entstandene Strukturschäden sieht man jahrelang.

Kein Boden verzeiht Bearbeitungsfehler vollständig
Kaum ein Feld gleicht in seinem Bodeninventar genau dem anderen und jedes steht hinsichtlich Relief, Klima, Wasserführung im Untergrund in einer anderen Standortsituation. Werden Tonböden zu nass befahren, sind Luftführung und Dränung sofort stark beeinträchtigt, die Kulturen auf den schweren Böden zeigen Verdichtung deshalb am deutlichsten. Die fruchtbaren Lösslehmböden in den Gäu- und Bördegebieten verzeihen mehr Fehler, so die landläufige Meinung. Aber auch auf diesen Böden verursachen Bodenverdichtungen Ertragseinbußen, sie werden aber meist nur in Jahren mit extremer Witterung wahrgenommen. Sandböden sollte man nicht als problemlos und jederzeit befahrbar bewerten. Schon geringe Feinanteile erhöhen ihre Verdichtungsempfindlichkeit.

Letztlich ist es entscheidend, die optimalen Zeitfenster der Befahrbarkeit zu kennen und Schlagkraft und Arbeitsorganisation darauf einzustellen. In Lagen mit hohen Niederschlägen und schweren Böden stehen im Frühjahr nur wenige Arbeitstage mit tragfähigen Böden zur Verfügung. Hat der Wind die obersten Zentimeter abgetrocknet, liegt der Boden darunter häufig noch nass und kalt. Abwarten! Ein Einschmieren der Saat bringt keinen gleichmäßigen Bestand und in kalten Böden geht das Wachstum nicht voran.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Verbesserung der Tragfähigkeit der Böden durch Reduzierung der Bodenbearbeitungstiefe und -intensität. Hoher Regenwurmbesatz stellt ein ausreichendes Dränvermögen der Böden sicher. Landwirte, die ihre Böden konservierend bearbeiteten, profitieren von längeren Zeitfenstern für Feldarbeiten, vorausgesetzt, sie legen besonderes Augenmerk auf bodenschonendes Befahren.

Anhänger mit Niederdruckbreit-Anhänger mit Niederdruckbreit- (links) und Hochdruckstraßenreifen (rechts). Fahrzeuge mit Straßen-Hochdruckreifen gehören nicht auf den Acker.
Anhänger mit Niederdruckbreit-Anhänger mit Niederdruckbreit- (links) und Hochdruckstraßenreifen (rechts). Fahrzeuge mit Straßen-Hochdruckreifen gehören nicht auf den Acker.
Moderne Reifentechnologien nutzen
Moderne Landwirtschaftsreifen – Radialreifen – besitzen ein großes Potenzial zum bodenschonenden Befahren. Als Antriebsreifen von Traktoren sind sie darüber hinaus in der Lage, die Motorleistung effizient in Zugkraft umzusetzen. Mit angepasstem Reifendruck verfügen sie durch ihre Flexibilität über eine große Aufstandsfläche und ermöglichen geringe Kontaktflächendrücke. Die Entwicklung moderner Ackerschlepperreifen wird von den Herstellern mit großem Aufwand vorangetrieben. Veränderte Gummimischungen, neue Aufbauten und Konzepte mit größerem Luftvolumen erlauben es, mit immer niedrigeren Reifendrücken zu arbeiten. Wichtig ist aber auch bei den übrigen Landmaschinen eine bodenschonende Bereifung, auch bei Anhängern. Lkw-Hochdruckreifen gehören nicht auf den Acker oder das Grünland!

Luftdruck anpassen
Der Schlüssel zu optimaler Bodenschonung und Zugkraftumsetzung ist der angepasste Luftdruck. Niedriger Luftdruck ermöglicht eine große Aufstandsfläche mit niedrigem Kontaktflächendruck. Bei Radialreifen kann im Normalfall davon ausgegangen werden, dass der Bodendruck in 10 cm Tiefe in etwa dem Reifendruck entspricht. Ein Zusammenhang, der dem Landwirt nochmals vor Augen führt, wie er die Bodenbelastung senken kann – mit möglichst niedrigem Reifendruck.
Der minimale Reifenluftdruck ist abhängig von Reifentyp, Reifengröße, Nutzlast bzw. Tragfähigkeit und Fahrgeschwindigkeit. Diese Zusammenhänge sind in den Reifenluftdrucktabellen bzw. Betriebsanleitungen der Reifenhersteller dargestellt. Je niedriger der Luftdruck, desto niedriger ist die Tragfähigkeit des Reifens bei gleicher Geschwindigkeit. Und je höher die Geschwindigkeit desto niedriger ist die Tragfähigkeit bei gleichem Reifenluftdruck.


Bei üblicher Fahrgeschwindigkeit auf dem Acker, bestimmt die Radlast die Höhe des Reifendruckes. Um den Reifendruck anzupassen, muss man folglich die Radlasten kennen, die man nicht vom TRAKTOR und Gerätegewicht ableiten kann. Denn bei dreipunktangebauten Geräten bewirkt der Abstand des Geräteschwerpunktes zum TRAKTOR und die Entlastung der Vorderachse eine zusätzliche Hinterachsbelastung. Um hier verantwortungsbewusst vorgehen zu können, müssen die Radlasten auf einer Fuhrwerkswaage ermittelt werden – bei gefüllten Vorratsbehältern der Drillmaschinen, Düngerstreuern und Spritzen.

Beim Einsatz am Hang führt die Seitenneigung bei TRAKTOR und Geräten zu einer Schwerpunktverlagerung. Hieraus ergibt sich eine zusätzliche Belastung der Hang abwärts laufenden Räder. Eigene Messungen haben ergeben, dass diese zusätzliche Belastung bei 8 % Seitenneigung etwa 5 % beträgt (TRAKTOR mit Kreiseleggen-Drillmaschinenkombination). Dies ist bei der Festlegung des Luftdruckes zu berücksichtigen.
Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich aus den oben beschriebenen Zusammenhängen von Radlast, Reifendruck und Fahrgeschwindigkeit. Eine bestimmte Radlast bei der schnellen Straßenfahrt (30, 40 oder 50 km/h) erfordert einen deutlich höheren Luftdruck als bei der Feldarbeit mit 10 km/h. Der optimalen Bodenschonung und Zugkraftumsetzung im Feld mit niedrigem Luftdruck stünde die Einschränkung der Höchstgeschwindigkeit auf 10 km/h auf der Straße gegenüber. Mit Hilfe von Luftdruckverstellanlagen kann eine Veränderung bequem von Schleppersitz aus vorgenommen werden.

Die Last auf möglichst breite und viele Schultern verteilen!
Müssen hohe Gesamtlasten abgestützt werden, sind Fahrwerke geeignet, die sehr große Aufstandsflächen ermöglichen. Zwillingsräder verteilen die Last auf zusätzliche Räder, der Reifenluftdruck kann abgesenkt werden. Durch die Überbreite sind sie jedoch meist nur bei arrondierten Hoflagen sinnvoll einzusetzen.
Der bei großen Gerätebreiten übliche Einsatz von aufgesattelten anstelle von dreipunktangebauten Geräten reduziert die Radlast vor allem an der Traktorhinterachse. Zunehmend stehen auch aufgesattelte Geräte mit Arbeitsbreiten von 3 und 4 Metern zur Verfügung (z.B. Grubber, Universaldrillmaschinen, Kartoffellegegeräte).
Bei Transportfahrzeugen bringen Tandem- oder Tridemachsen dann einen Vorteil, wenn durch ihre Verwendung der Reifeninnendruck deutlich gesenkt werden kann. Ansonsten führt die Mehrfachüberrollung zu negativen Effekten. Bandlaufwerke bei Erntemaschinen ermöglichen große Aufstandsflächen bei begrenzter Maschinenbreite. Besonders bei Großmähdreschern sind sie oft die einzige Möglichkeit, die legale Teilnahme am Straßenverkehr mit den Ansprüchen des Bodengefügeschutzes zu verbinden.

Unnötige Feldfahrten vermeiden!
Einfach, aber sehr effektiv: Überfahrten vermeiden! Jede eingesparte Fahrt über das Feld vermeidet mechanische Bodenbeanspruchung. So sollte es selbstverständlich sein, nicht mit (beladenen) Transportfahrzeugen über den Acker zu fahren, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Der Feldweg wurde als „Fahrweg“ gebaut und der Ackerboden ist Pflanzenstandort, dessen Struktur zu schonen ist.
Größere Arbeitsbreiten reduzieren ebenfalls die Fahrstrecken auf dem Feld. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass dadurch wiederum die Maschinen- und Gerätegewichte ansteigen. Hier gilt es sorgsam abzuwägen und nicht in einfaches Schwarz-Weiß Denken – „Klein ist gut und Groß ist schlecht“ – zu verfallen.

Tipp von Michaela Schlathölter,
Züchterin für Zwischenfrüchte:


„Auch Zwischenfrüchte helfen, Verdichtungen zu vermeiden. Sie bringen viel organische Substanz in den Boden und fördern das Bodenleben.
So werden Struktur und Gefüge verbessert – der Boden wird stabiler.“

Je größer der Schlag, desto geringer die Kosten für Arbeitserledigung – stimmt nicht!
Ein in Hinblick auf die Bodenschonung oft in seiner Wirkung unterschätzter Zusammenhang besteht zwischen Schlaggrößen, Schlagformen und Maschinengrößen. Durch eine optimierte Abstimmung lassen sich Fahrverkehr und Fahrstrecken auf den Feldern stark vermindern. Einige Beispiele sollen dies erläutern.

Sehr große Schläge und große Schlaglängen werden wegen ihrer arbeitswirtschaftlichen Vorteile oft als optimal betrachtet. Dabei werden dreiviertel der Degressionseffekte beim Arbeitszeitbedarf bei den meisten Feldarbeiten bereits bei einer Zunahme der Schlaggröße von 2 auf 8 ha und der Schlaglänge von 200 auf 400 Meter erreicht. Darüber hinausgehende Schlaglängen führen wieder zu erhöhtem Arbeitszeitaufwand, denn der Anteil der Leerfahrten zur Reststreifenbearbeitung nimmt besonders bei größeren Arbeitsbreiten stark zu. Bei transportgebundenen Arbeitsgängen oder Ausbringarbeiten sind größere Schlaglängen mit zusätzlichen Transportfahrzeugen oder Transportfahrten verbunden, wenn beispielsweise Korntank- oder Bunkervolumen nicht für eine oder zwei komplette Schlaglängen ausreichen.

Mit der Abstimmung von Korntank- und Bunkerfassungsvermögen, Arbeitsbreiten und Transportvolumina auf Erträge, Ausbringmengen und Schlaglängen lassen sich somit die Fahrstrecken im Feld minimieren.

Bodenschonender Landtechnikeinsatz schafft die Voraussetzungen, um das Ertragspotenzial am Standort ausschöpfen zu können und Ertragsdepressionen zu vermeiden. Fahrwerk und Reifen nehmen dabei eine Schlüsselstellung ein. Deren Potenzial kommt erst durch die richtige Einstellung und Regelung des Reifenluftdrucks zur Geltung.



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