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Ertragsorientierte Produktionstechnik von Sorghum

Bislang spielt Sorghum bundesweit eine eher untergeordnete Rolle. Doch durch Klimawandel und die Ausbreitung des Westlichen Maiswurzelbohrers könnte der Sorghumanbau deutlich zunehmen. Dr. Maendy Fritz, TFZ Straubing, gibt Anbauempfehlungen, die auf jahrelangen Sortenversuchen basieren.

Für die Erzeugung von Biogassubstrat sind unter deutschen Anbaubedingungen die Sorghumarten Sorghum bicolor, S. sudanense und S. bicolor x S. sudanense wirtschaftlich relevant. In der erstgenannten Art werden hochwüchsige Futter-, mittelhohe Dual- und eher niedrigwüchsige Körnersorten unterschieden. Am Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) wird seit 2005 zu Sorghum geforscht. Seit 2006 bildet ein umfangreiches Sortenscreening, das jährlich gut 50 bedeutende Sorten und Neuzüchtungen enthält, die Basis für praxisnahe Sorten- und Anbauempfehlungen.

Reifegruppen: Basis für die Sortenwahl
Ein wichtiger Ertragsfaktor ist die Wahl der für den Standort und die Fruchtfolgestellung passenden Sorte. Die derzeit wichtigsten Sorghumsorten wurden auf Basis des Sortenscreenings in die Reifegruppen „früh“, „mittelfrüh“, „mittelspät“ und „spät“ unterteilt. Referenzsorten sind Lussi, Freya, HERKULES und JUMBO. Eine noch feinere Differenzierung ist über die Zahlen 1 (früh) bis 8 (sehr spät) möglich (Abb. 1). Die Reifegruppen beschreiben das Abreifeverhalten der Sorten bzw. die notwendige Temperatursumme bis zum Erreichen von 28 % Trockensubstanzgehalt. Für Sorten der frühen Reifegruppe ist eine Temperatursumme von 750, für mittelfrühe Sorten 850 bis 900, für mittelspäte Sorten 950 bis 1050 und für die Sorten der späten Reifegruppe 1150 bis 1240 notwendig, um 28 % Trockensubstanz zu erzielen (Werte gültig für Straubing).

Reifegruppen
Reifegruppen

Für bayerische Anbaubedingungen wird frühes und mittelfrühes Material empfohlen, da dieses fast überall in Bayern sowohl in Haupt- als auch in Zweitfruchtstellung zur Ernte sicher Silierreife erreicht. Mittelspäte Sorten sind ertragreich aber nur in Hauptfruchtstellung und an günstigen Standorten zu empfehlen, spätreife Sorten sind nicht relevant. Das Zuchtziel Frühreife wird mittlerweile von den Züchtern verstärkt berücksichtigt.

Aussaat: Je früher desto besser
Über den Saattermin und die Bestandsetablierung mit der Saat werden ebenfalls wichtige Weichen für die Ertragsleistung gestellt. Da Sorghum spätfrostgefährdet ist, kann die Aussaat meist erst ab Mitte Mai für die Hauptfruchtstellung erfolgen. An warmen Standorten und/oder bei entsprechender Witterung kann in Einzelfällen auch schon Anfang Mai gesät werden. Dies birgt allerdings ein Ausfallrisiko bei Spätfrösten. Je früher gesät werden kann, desto höhere Erträge können erreicht werden. In Zweitfruchtstellung ist eine Aussaat bis Mitte Juni möglich, wobei spätere Saattermine die Abreife gefährden und Ertrag kosten (Abb. 2).

Saatzeitversuch
Saatzeitversuch

Sorghum stellt hohe Anforderungen an ein feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett: Eine unzureichende Bodenbearbeitung zeigt sich in vermindertem und lückigem Feldaufgang. Wichtig ist ein gutes Rückverfestigen bei der Saat, um den Anschluss an das kapillar aufsteigende Bodenwasser zu gewährleisten.

In den bisherigen Versuchen am TFZ konnte kein Einfluss der Sätechnik – also Drill- oder Einzelkornsaat – auf Ertrag oder Trockensubstanzgehalt nachgewiesen werden. Das Bestockungsvermögen der Pflanzen kann anfangs ungleichmäßige Bestände weitgehend ausgleichen. Die Reihenweite kann flexibel gewählt werden, da sich in den Versuchen nur bei extremen Reihenabständen unter 20 und über 75 cm ein signifikanter Einfluss auf den Ertrag zeigte. Diese Reihenweiten kommen für den Sorghumanbau kaum in Frage.

Über die Saatstärke das Lagerrisiko reduzieren
Im Vergleich zu früheren Empfehlungen hat sich die nun als optimal belegte Saatstärke stark reduziert. Höhere Saatstärken korrelieren zwar mit geringfügig höheren Erträgen, allerdings steigt das Lagerrisiko durch zu dichte Bestände stark an. Da Sorghum nicht völlig standfest ist und Lager zu empfindlichen Ernteverlusten führt, sollte die Produktionstechnik zu Sorghum generell auf die Reduktion des Lagerrisikos ausgerichtet werden.

In Abhängigkeit von der Art ist die Saatstärke unterschiedlich hoch: Sorten der Art S. bicolor werden mit 20 bis 25 keimfähigen Körnern/m² gesät, Sorten mit dem genetischen Hintergrund S. bicolor x S. sudanense mit 30 bis 40 keimfähigen Körnern/m². Unter trockenen Standortbedingungen und/oder bei spätreifen Sorten sollte eher das untere Ende der Saatstärke angepeilt werden. Eine weitere Reduktion der Saatstärken ist für beide Arten nicht empfehlenswert, da in Versuchen teilweise signifikante Mindererträge im Bereich von 6 bis 9 % festgestellt wurden. Die Aussaattiefe liegt relativ flexibel im Bereich von 3 bis 5 cm, bei trockenen Bedingungen zur Aussaat auch tiefer, um das Bodenwasser sicher zu erreichen.

Düngung
Sorghum verfügt über ein sehr tief reichendes Wurzelsystem mit entsprechend hohem Nährstoffaneignungsvermögen. Für die Stickstoffversorgung von Sorghum sind etwa 20 bis 30 % weniger N als für Mais notwendig, wobei massebetonte Sorten stärker auf die

Auf Bodenverdichtungen reagiert Sorghum empfindlich.
Auf Bodenverdichtungen reagiert Sorghum empfindlich.
Stickstoffdüngung reagieren. Das ökonomische Düngeoptimum liegt nach bisherigem Kenntnisstand je nach Ertragserwartung im Bereich von 120 bis 150 kg N/ha (Sollwert abzüglich Nmin). Diese N-Menge könnte vollständig durch Gülle oder Gärreste (unter Anrechnung Mineraldüngeräquivalent 70 %) abgedeckt werden, da sich am TFZ kein Unterschied zu einer mineralischen Düngung mittels KAS nachweisen ließ. Der Zeitpunkt der organischen Düngung ist ebenfalls flexibel wählbar: Zur Saatbettbereitung lässt sich die Gärrestgabe gut einarbeiten, im Nachauflauf muss mit Schleppschläuchen gearbeitet werden, um Ausbringverluste zu minimieren.

Sorghum wird besonders auf den Maisgrenzstandorten mit geringeren Niederschlägen und in Lagen, die durch Maiswurzelbohrer gefährdet sind, eine immer interessantere Alternative zu Mais. Denn Sorghum ist bei der Wasserversorgung anspruchsloser als Mais und keine Wirtspflanze für den Maiswurzelbohrer.

Im Vergleich zu den „Einführungsjahren“ dieser Kultur liegen jetzt fundierte Erfahrungen zur Standorteignung der Sorten und zu einer ertragsorientierten Bestandesführung vor – die damals noch vorherrschenden Unsicherheiten sind heute nicht mehr begründet.

Im Juni 2013 wird am TFZ ein Sorghum-Aussaatversuch mit Praxisgeräten durchgeführt, mit dem unterschiedliche Sätechnik sowie auch Unterfußdüngung verglichen werden soll. Die Aussaat erfolgt als öffentliche Veranstaltung für alle Interessierten, der genaue Termin wird vorher auf der Internetseite des TFZ angegeben (www.tfz.bayern.de). Anfang September können dieser und die anderen Versuche im Rahmen des Feldtags besichtigt werden.



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