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Bodenmanagement: Basis für Höchsterträge mit Körnerfuttererbsen

Ein wesentlicher Ansatzpunkt zur Kosteneinsparung beim Anbau von Körnerfuttererbsen ist die Reduzierung der Bodenbearbeitungsintensität durch Pflugverzicht. Bei der pfluglosen Bestellung müssen eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden, um Höchsterträge realisieren zu können.

Bodenbearbeitung ohne Pflug
Der Erfolg der pfluglosen Bodenbearbeitung hängt wesentlich vom Strohmanagement ab. Bei sachgemäßer Strohdüngung und Beachtung der Faktoren, die die Umsetzung des Strohs im Boden fördern, werden die biologische Aktivität, die Struktur sowie der Wasser- und Humushaushalt des Bodens günstig beeinflusst.

Aussaat mit EKS nach 6-8 cm tiefer Bodenbearbeitung
Aussaat mit EKS nach 6-8 cm tiefer Bodenbearbeitung

Strohdüngung besteht aus zwei Arbeitsgängen: dem Zerkleinern und Verteilen des Strohs auf dem Acker sowie dem Einarbeiten in den Boden. Lagergetreide muss durch entsprechende produktionstechnische Maßnahmen vermieden werden, da liegen gebliebenes und unzerkleinertes Stroh die Qualität der Bodenbearbeitung mindert. Beim Mähdrusch soll eine Stoppellänge von 20 cm nicht überschritten werden, um das Stroh gut verteilen und einarbeiten zu können. Der Aufbau und die Arbeitsweise der Verteileinrichtung am Mähdrescher (Strohhäcksler, Spreuverteiler) haben wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Verteilung und auf eine sichere Funktion. Günstige Bedingungen für die Strohrotte werden erreicht, wenn das Stroh durch gezahnte Messer im Häcksler bei hoher Drehzahl gesplissen wird. Die möglichst gleichmäßige horizontale und vertikale Verteilung des Strohs bei einer Häcksellänge von ca. 5 cm und die anschließende 8 bis 10 cm tiefe Einarbeitung und Rückverfestigung mit geeigneten Nachläufern beschleunigen den mikrobiellen Strohabbau.

Nach der Stoppelbearbeitung erfolgt bis spätestens Ende Oktober die Grundbodenbearbeitung mit kombinierter Nachbearbeitung und Rückverfestigung des Bodens. Neben dem konventionellen Pflugeinsatz auf ≥25 cm ist bei der pfluglosen Bodenbearbeitung ein 10 bis 15 cm tiefer Grubbergang als Pflugersatz die Regel. Die krumentiefe Lockerung ist nur dann erforderlich, wenn Bodenschadverdichtungen zu beseitigen sind. Bei Pflugverzicht lagern sich organische Substanzen und Nährstoffe in der Oberkrume an. Diese Mengen sind je nach Art und Erntezeitpunkt sehr verschieden zu bewerten. Bei früher Ernte, tätigem Boden und mildem Herbst – das heißt bei voller Tätigkeit der Bodenorganismen – wird der größte Teil der Ernte- und Wurzelrückstände nach Einarbeitung bis zum Winter mineralisiert. Bleibt dagegen eine schützende Strohdecke unbearbeitet über längere Zeit erhalten, sind es vor allem tiefgrabende Regenwürmer, die Biomasse in den Boden einarbeiten.

Bodenbearbeitung und Wasserversorgung
Auf Trockenstandorten kommt es in der Bodenbearbeitung darauf an, Wasserverluste zu verhindern. Um das Bodenwasser für die Nachfrucht zu erhalten, wird der nach der Getreideernte in aller Regel festgelagerte Boden schnellstmöglich durch eine flache Stoppelbearbeitung gelockert. Das Strohbodengemisch bildet eine Isolierschicht. Die Leitungsbahnen für das aufsteigende Wasser, die Kapillaren, werden unterbrochen, so dass Bodenwasser nicht mehr bis an die Oberfläche gelangen und verdunsten kann.

Die Ergebnisse von Bodenfeuchtemessungen zeigen jedoch, dass die Bodenwasservorräte im unbearbeiteten Boden höher sind als im bearbeiteten. Bis zur Aussaat der Körnerfuttererbsen wurden auf dem trockenen Löss-Standort Bernburg-Strenzfeld* durchschnittlich 2,6 Masseprozent (M.-%) mehr Bodenwasser in der Krume gespeichert, wenn auf die Herbstbodenbearbeitung verzichtet wurde.

Unter einer geschlossenen Strohdecke, unter der feuchte, gesättigte Luft bei niedriger Temperatur gehalten wird, sind die Bodenwasserverluste über Winter wesentlich geringer als nach einer Bearbeitung.
Die Entscheidung über die Notwendigkeit der Herbstbodenbearbeitung zu Körnerfuttererbsen sollte von den Bodenverhältnissen (z.B. durch Spatenprobe) abhängig gemacht werden. Die Abkehr vom gewohnten Arbeitsablauf stellt besondere Anforderungen. Dem Mähdrescher folgt der Strohstriegel, der diagonal zur Drillrichtung mit zügiger Ganggeschwindigkeit geführt wird. Je nach Stärke des Aufwuchses von Ausfallgetreide, Ungräsern und Unkräutern appliziert man im Herbst und/ oder im Frühjahr ein nicht selektives Herbizid. Das Bearbeiten der überwinterten Strohdecke mit Flachgrubber oder Kurzscheibenegge ermöglicht im Frühjahr eine störungsfreie Aussaat der Körnerfuttererbsen, wenn die obersten Zentimeter ausreichend abgetrocknet sind. Der Strohbodenmulch fließt durch die Vorsaatbearbeitung besser von den Säscharen ab, was die Ablagegenauigkeit im Vergleich zur Direktsaat wesentlich erhöht.

Bodenschadverdichtungen beseitigen
Bodenschadverdichtungen sind oftmals Ursache für Ertragsminderung, Ertragsschwankungen, schlechte Ausnutzung der Nährstoffvorräte des Bodens und für wachsenden Düngemittelaufwand. Die Anfälligkeit der Böden steigt mit abnehmendem Ton- und Humusgehalt, in gleicher Weise vermindert sich ihr Regenerationsvermögen. Untersuchungen der Trockenrohdichte, des Grobporenvolumens, der Luftkapazität, der pneumatischen Leitfähigkeit und der gesättigten Wasserleitfähigkeit von Lössböden ergaben nach wendender Pflugarbeit einen signifikant höheren Prozentsatz an Bodenschadverdichtungen als nach mehrjährig konservierender Bodenbearbeitung.

In einem schadverdichteten Boden ist der aktive Wurzelraum auf die Krume oberhalb der Verdichtungszone beschränkt. Das heißt, je höher eine Verdichtungszone ansteht, desto gravierender wirkt sie sich auf die Ertragsbildung aus.
Gefügeschäden, sowohl innerhalb als auch unter der bearbeiteten Krume, in der Pflug- oder Grubberscharsohle, vermag die Körnerfuttererbse nicht zu durchdringen – im Gegensatz zu Lupine oder Luzerne.
Bodenschadverdichtungen erfordern eine mechanische Lockerung und anschließende Bodenstabilisierung durch Zwischenfruchtanbau. Von nachhaltigem Erfolg ist die Bodenlockerung nur, wenn bei ausreichend abgetrocknetem Boden gearbeitet wird und es gelingt, den zuvor gelockerten Boden rasch und dicht zu durchwurzeln.

Bodenbearbeitung und Nährstoffversorgung
Je dichter ein Boden durchwurzelt ist, umso besser ist die Ernährung der Bodenorganismen, die Bodenatmung, die N2-Fixierung der Knöllchenbakterien, die Humusbildung und die Lebendverbauung.

Je stabiler und wasserbeständiger die Primäraggregate sind, desto intensiver ist die Mobilisierung von Pflanzennährstoffen.

Aufgabe der Bodenbearbeitung ist es unter anderem, organische und mineralische Dünger in die Bodenkrume einzuarbeiten. In der vertikalen Verteilung der Düngerphosphate wird ein grundlegender Nachteil der konservierenden Bodenbearbeitung gesehen, weil aufgrund der geringen Beweglichkeit die Phosphatausnutzung beeinträchtigt sein kann. Deshalb wird das Einarbeiten des Düngerphosphats in größere Tiefen empfohlen und damit auch die Notwendigkeit des periodischen Pflügens begründet. Feldversuche ergaben, dass die ungleichmäßige P-Verteilung in der Krume die P-Ernährung nicht beeinträchtigt, wenn die Versorgung über Vorratsdüngung beziehungsweise über Unterfußdüngung erfolgt. Für die P-Ernährung der Körnerfuttererbse ist eine optimale Durchwurzelung der Krume – wo der größte Teil der Düngerphosphate festgelegt ist – entscheidend. Starkes Wurzelwachstum fördert bei wenig beweglichen Nährstoffen wie dem Phosphat die Aufnahme über eine Verkürzung der Transportwege.

Sind aber durch Schadverdichtungen die Durchlüftung und der Wasserhaushalt des Bodens beeinträchtigt, leidet unter dem Wassermangel sowohl die Verfügbarkeit des Phosphates als auch das Wurzelwachstum. Kommt es dagegen zur Staunässe im Boden, wird die Verfügbarkeit zwar verbessert, aber das Wurzelwachstum und die Phosphataufnahme sind wegen Sauerstoffmangels gestört.

Saatzeit, Saattiefe, Saatmenge
Wegen des hohen Keimwasserbedarfs sollen Körnerfuttererbsen früh, möglichst schon Anfang/Mitte März, gesät werden. Frostgrade von -4 bis -7 °C werden vertragen. Die Saattiefe der Erbse beträgt 4 bis 6 cm. Der Acker muss zur Aussaat ausreichend trocken sein. Wichtig ist es, starken Bodendruck zu vermeiden.

Unabhängig von der Intensität der Bodenbearbeitung steht die Forderung nach einem möglichst ebenen Saatbett. Das erleichtert den Mähdrusch und senkt die Ernteverluste. Bezüglich der Saatstärke sind verallgemeinernde Empfehlungen schwierig, da die Verzweigungsfähigkeit der Erbse sortenspezifisch ist.
Praktische Erfahrungen sprechen für Saatstärken im Bereich von 70 bis 80 Körner/m2 auf mittleren Böden und 80 bis 90 Körner/m2 auf leichten Böden. Höhere Saatstärken würden die Saatgutkosten wesentlich erhöhen.
Der Saatgutbedarf errechnet sich aus der Keimfähigkeit des Saatgutes und dem Tausendkorngewicht (TKG) bei Vorgabe der Saatdichte (s. Übers. 1).



Drillsaat oder Einzelkornsaat
Die Aussaat der Körnerfuttererbsen erfolgt i.d.R. als Drillsaat mit einfachem Getreideabstand. Aus technischer Sicht sind Universal-Einzelkornsämaschinen für die Aussaat von Körnerfuttererbsen grundsätzlich geeignet. Wichtig ist, dass die Einzelkornsämaschinen mit geringem Aufwand für Ackerbohnen, Erbsen, Mais, Raps, Rüben, etc. umgerüstet werden können.

Die exakte Tiefenablage des Saatgutes durch Einzelkornsaat und die wirksame partielle Rückverfestigung unterhalb der Saatgutablagezone ermöglichen einen raschen und gleichmäßigen Feldaufgang.
Eigene praktische Erfahrungen wurden mit KVERNELAND-ACCORD Optima und AMAZONE ED 601-K Contour gemacht.



Die gleichmäßige Längsverteilung der Pflanzen in der Reihe bei technisch bedingten Reihenweiten von 25 cm bzw. 37,5 cm führt zu mehr Licht und Luft der auf 3,5 bis 5,5 cm in der Reihe gesetzten Einzelpflanze. Mit zunehmender Reihenweite verschlechtert sich die Standraumzumessung. Andererseits ist zu bedenken, dass bei engen Reihenabständen mehr Säaggregate für die vorgesehene Arbeitsbreite gebraucht werden.
Eine gute Keimwasserversorgung der Körnerfuttererbsen gewährleistet die Arbeit mit Druckrollen bei der Aussaat. Im Gegensatz zum ganzflächigen Walzen bieten Druckrollen weniger Angriffspunkte für Bodenerosion. Das Anwalzen der Saat ist auf steinigen Flächen zur Erleichterung der Ernte sowie zur Verbesserung des Bodenschlusses auf leichteren Böden eine wichtige Maßnahme. Der Einsatz der Ackerwalze verlangt viel Fingerspitzengefühl: Bleibt das Feld im Walzenstrich liegen, bedeutet das eine ungehinderte Verdunstung und die Gefahr der Verschlämmung und Verkrustung des Bodens. Auf steinfreien Böden sollte daher die Walze unbedingt mit einem nachlaufenden Striegel arbeiten.

Autor: Dr. Joachim Bischoff, Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt



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