Bestehende Sortenunterschiede werden durch die Einmischung von 10 % Populationsroggen weitgehend nivelliert, die Pollenmenge ist deshalb nicht der begrenzende Faktor für eine vollstädnige Bestäubung. Wesentlich wichtiger ist die Blühsynchronisation des Roggenbestandes auf einen Zeitraum von wenigen Tagen, den Mutterkorn findet sich in erster Linie auf Nebentrieben und Nachschossern.
Beginnend mit der Aussaat gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Infektionswahrscheinlichkeit zu verringern:
1. Bodenbearbeitung
Vor allem zu Folgeroggen unbedingt pfügen, um das feldbürtige Infektionspotential zu verringern, das Mähen der Feldränder zur Blüte verringert ebenfalls die Infektionswahrscheinlichkeit, desgleichen die Ungraskontrolle in der Fruchtfolge.
2. Saatzeit
Extrem frühe Saaten führen zu einer übermäßigen Anlage von Nebentrieben, die Bestände blühen ungleichmäßiger ab. Optimal sind Saattermine in der letzten Septemberdekade.
3. Saatstärke
Extreme Dünnsaaten führen ebenfalls zu „staudigen“, inhomogenen Beständen, auch die Gefahr von Zwiewuchs und Nachschossern steigt in lichteren Beständen an. Saatstärken von 150 Kö/m² sind deshalb das Minimum – auch im Hinblick auf die Ertragsleistung.
4. Düngung
Eine harmonische Pflanzenernährung trägt maßgeblich zu gleichmäßigen Beständen bei, insbesondere gilt das für die N-Versorgung. Roggen hat eine sehr hohe N-Aneignung, eine Versorgung über 150 kg N/ha inkl. Nmin steigert nicht den Ertrag und erhöht die Mutterkorngefährdung.
5. Wachstumsregler
Mehrere Untersuchungen belegen, daß Wachstumsregler das Mutterkornauftreten verstärken. Während CCC und Ethephon die Apikaldominaz brechen und die Triebentwicklung sogar harmonisieren können, ist bei Moddus noch größere Vorsicht angesagt. Besser ist eine standfeste Sorte, verhalten geführt.
6. Pflanzenschutz
Kalkstickstoff kann bodenbürtige Mutterkorninfektionen mindern, ansonsten ist keine direkte chemischen Bekämpfungsmaßnahme wirksam. Wichtig ist jedoch die Kontrolle der Läuse, um die sekundäre Befallsausbreitung über den Honigtau zu verringern.
Sven Böse, Fachberatung Saaten-Union

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