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Lupinen - Optimal für leichte Böden!

Bislang verstand man unter dem Begriff "Körnerleguminosen", vor allem in den alten Bundesländern, die Pflanzenarten Erbsen und Ackerbohnen. Vielfach wurde dabei übersehen, daß die Anbaufläche von Lupinen, die besonders gut an leichte, sandige Böden angepaßt sind, in Deutschland größer als die der Ackerbohnen ist, zeitweise war sie sogar doppelt so groß. Anbauschwerpunkte waren und sind nach wie vor die Sandböden Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts. Auch Ost-Niedersachsen ist ein traditionelles Lupinenanbaugebiet. Der Begriff "Lupinen" ist ähnlich dem Wort "Getreide" zu verwenden, denn es gibt bei uns 3 Lupinenarten, die sich hinsichtlich Boden- und Klimaansprüchen und Inhaltsstoffen grundlegend voneinander unterscheiden.

Gelbe Lupinen sind optimal angepaßt an arme Sandböden mit niedrigen pH-Werten. Hier sind sie trotz niedrigem Ertragspotential (15 - 20 dt/ha) konkurrenzfähig zu anderen Kulturarten und stellen auf diesen Standorten unverzichtbare Bestandteile der Fruchtfolge dar. Weiße Lupinen wachsen zwar prinzipiell auch auf Sandböden, benötigen aber etwas mehr Wasser, was sie dann mit höheren Erträgen im Vergleich zu den anderen beiden Arten honorieren. Höchste Erträge bringen sie dagegen auf besseren Böden mit pH-Werten unter 6,8. Gute Erträge, wie sie beispielsweise konstant in den letzten Jahren von der Sorte amiga  erreicht werden, liegen bei 40 bis 50 dt/ha. Bis zu 60 dt/ha wurden aber in der Praxis schon erreicht. Seit 1997 gibt es in Deutschland auch bitterstoffarme Blaue Lupinen. Deren Bodenansprüche sind  eher gering. Sie wachsen auf Gelblupinenböden ebenso gut wie auf besseren Böden (sandige Lehme). Die Erträge variieren je nach Bodenart und Wasserversorgung zwischen 20 und 40 dt/ha. Hinsichtlich der Reifezeit sind Blaue und Gelbe Lupinen durchschnittlich früher als Weiße Lupinen. Allerdings gibt es innerhalb jeder Art beträchtliche Sortenunterschiede. 

Verwertung der Lupinen
Zu Inhaltsstoffen und zum Einsatz der Lupinenarten in der Tierfütterung sei auf den Artikel "Heimische Produktion in den Futtertrog" verwiesen. Zunehmend werden Lupinen, und hier vor allem Weiße und Blaue Lupinen,  auch als Nahrungsmittel verwendet. Lupinenmehle werden beispielsweise in Back- und Teigwaren eingemischt. Lupinenprodukte für die menschliche Ernährung sind in Deutschland bereits am Markt (z. B. Lupinen-Tofu, Lupinen-Brot, Lupinen-Nudel, Lupinen-Kaffee, Fertiggerichte). Alle bitterstoffarmen Lupinen unterliegen im Anbau der EU-Beihilferegelung für Eiweißpflanzen und sind damit in der Agenda 2000 relativ besser gestellt als Getreide und Ölpflanzen. Große, einheitliche Partien lassen sich über Futter- und Nahrungsmittelhersteller vermarkten, sofern die Qualität stimmt. Kleinere Partien werden am besten innerbetrieblich verwertet, womit sich ein vergleichsweise höherer Deckungsbeitrag erzielen läßt.  

Anbautechnik
Bei der Standortwahl sollte auf den pH-Wert geachtet werden. Er sollte maximal bei 6,8 liegen. Basische Böden und staunasse Flächen sind für den Lupinenanbau generell nicht geeignet. Auch stark humose Böden (Moorböden) sind zu vermeiden. In der Fruchtfolge stehen Lupinen am besten nach Getreide oder Mais. Als Nachfrüchte eignen sich Getreidearten. Sofern eine Sommerung nachgebaut werden soll, empfiehlt es sich, den von den Lupinen gesammelten Stickstoff durch eine schnell wachsende Zwischenfrucht zu binden. Der Vorfruchtwert von Lupinen (und anderen Körnerleguminosen) liegt neueren Untersuchungen zufolge bei etwa 350 DM/ha.  Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung muß dieser Wert dem Deckungsbeitrag der Lupinen hinzugerechnet werden. Lupinen sind mit sich selbst nicht verträglich und benötigen Anbaupausen von mindestens 4 Jahren. Die Aussaat sollte ab Mitte März bis spätestens Mitte April erfolgen. Die Bodenbearbeitung zur Aussaat sollte ein mittelfeinscholliges Saatbett herrichten, um Verschlämmungen zu vermeiden. Grobschollige Flächen sind ungünstig, da Lupinen flach gesät werden (3 - 4 cm). Die notwendige Saatgutmenge je Hektar richtet sich nach der Tausendkornmasse und der Keimfähigkeit. Folgende Bestandesdichten sind anzustreben: Weißlupinen: 60 - 70 Pflanzen/m², Gelblupinen: 60 - 80 Pflanzen/m², Blaulupinen, Verzweigungstypen: 90 - 100 Pflanzen/m², Blaulupinen, unverzweigte Sorten: 130 - 140 Pflanzen/m². Die Tausendkornmasse ist bei Blauen und Gelben Lupinen niedrig (120 bis 180 g) und bei Weißen Lupinen relativ hoch (250 bis 450 g). Die Reihenabstände können am Getreide orientiert werden (12 bis 15 cm).

Die Düngung der Lupinen kann analog zu anderen Körnerleguminosen erfolgen. Durch das Phosphataufschlußvermögen der Wurzeln kann die Phosphordüngung  reduziert werden.  Bei einem Kornertrag von 40 dt/ha werden 40 kg P2O5, 60 kg K2O und 20 kg/ha MgO entzogen. Stickstoff braucht nicht gedüngt zu werden. Beim Erstanbau von Lupinen auf einer Fläche sollte das Saatgut mit Knöllchenbakterien geimpft werden. Der Impfstoff kann zusammen mit dem Saatgut bezogen werden. Zu Lupinen darf keine organische Düngung verabreicht werden.

Zur Unkrautbekämpfung stehen in erster Linie Vorauflaufherbizide zur Verfügung. Bewährt hat sich Stomp SC (4 l/ha). Im Nachauflauf kann bei Gelben und Blauen Lupinen Lentagran (2 kg/ha) eingesetzt werden. Nicht-chemische Unkrautbekämpfungsmaßnahmen sind einerseits durch die Standortwahl (keine mit zweikeimblättrigen Wurzelunkräutern (Ackerwinden, Ackerkratzdisteln) belasteten Flächen) und durch Striegeln ab 4 cm Pflanzenhöhe (in der Mittagszeit) gegeben.

In letzter Zeit werden Lupinen stark von der samenbürtigen Pilzkrankheit "Anthracnose" befallen. Weiße und Gelbe Lupinen sind generell anfälliger als Blaue Lupinen. Wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung dieser Krankheit ist die Verwendung von anerkanntem und gebeiztem Saatgut. Hierzu ist das Mittel Rovral UFB mit einer Aufwandmenge von 300 ml/100 kg Saatgut amtlich zugelassen. Fungizidspritzungen im Bestand sind nur in Vermehrungsbeständen nötig und wirtschaftlich lohnend. Leichter Spätbefall von Anthracnose im Bestand verursacht in der Regel keine Ertragsausfälle, schränkt aber die Verwendung der Körner als Saatgut stark ein. Die neuesten Informationen zum Thema "Anthracnose" sind in der UFOP-Praxisinformationsschrift "Bekämpfung der Anthracnose bei Lupinen" zusammengefaßt (www.ufop.de). Weitere Krankheiten sind unbedeutend, vor allem auch deshalb, weil es den Pflanzenzüchtern gelungen ist, gegen die gefährlichste bodenbürtige Krankheit der Lupinen (Fusarium oxysporum) resistente Sorten zu züchten. Tierische Schaderreger sind von untergeordneter Bedeutung. Bei kleinen Lupinenflächen in der Nähe von Waldrändern und Hecken kann Wildverbiß durch Rehe, Kaninchen und Hasen zu erheblichen Verlusten führen. Größere, frei liegende Flächen sind dagegen kaum gefährdet.

Bei der Ernte gibt es grundlegende Unterschiede zwischen Gelben und Weißen Lupinen auf der einen und Blauen Lupinen auf der anderen Seite. Während die erstgenannten platzfeste Hülsen haben, neigen die Blauen Lupinen teilweise zum Aufplatzen der Hülsen. Optimale Kornfeuchten zur Ernte liegen bei 13 bis 16 %. Bei Weißen und Gelben Lupinen kann man warten, bis diese Werte erreicht werden. Der Drusch sollte dann in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden erfolgen, wenn die Hülsen gut abgetrocknet sind. Zu feuchte Hülsen bleiben auch beim Durchgang durch den Mähdrescher geschlossen und gehen mit dem Stroh über die Siebe weg. Dadurch können Ernteverluste entstehen. Blaulupinen sollten dagegen besser in den Morgenstunden gedroschen werden, wenn die Hülsen noch feucht sind. Zu trockene Hülsen springen bei Berührung mit der Haspel auf, wodurch ebenfalls Ernteverluste entstehen können. 

Die Lagerung der Lupinenkörner kann bei maximal 14% Feuchte erfolgen. Sofern eine Trocknung notwendig ist, sollte diese schonend, bei nicht mehr als 30°C erfolgen.

Boden- und Klimaansprüche sowie Tausendkornmasse der Lupinenarten

Lupinenart

Boden Klima TKM (g)
Gelbe Lupine
Ertragspotenzial:
15 bis 20 dt/ha
Sande und schwach lehmige Sande mit niedrigem pH-Wert (5,5 bis 6,5); höhere pH-Wert führen zu Kalkchlorose (Vergilben der jüngsten Blätter) keine zu hohen Temperaturen in der Jugendentwicklung; trockenes Wetter während der Reifezeit; Vegetationsdauer: 135 bis 150 Tage (je nach Sorte) 100 – 160
Blaue Lupine
Ertragspotenzial:
20 bis 40 dt/ha
Sande, sandige Lehme; kalkverträglicher als die Gelbe Lupine; optimale pH-Werte: 5,5 bis 6,5; keine Moor- oder Heideböden (hier ist die Gelbe Lupine besser geeignet) Gebiete mit kurzer Vegetationszeit; Vorgebirgslagen, Küstengebiete; Vegetationsdauer: 120 bis 150 Tage (je nach Sorte) 120 - 190
Weiße Lupine
Ertragspotenzial:
20 bis 60 dt/ha
höchste Erträge auf besseren Böden (mindestens sandiger Lehm, besser Lößlehm- oder Schwarzerde); auch Sandböden mit pH 5,5 bis 6,8; keine Böden mit pH-Werten über 7 warmes feuchtes Frühjahr; hohe Erträge erfordern kühle Temperaturen bis zum Rosettenstadium sowie gute Wasserversorgung zur Blüte; Vegetationsdauer: 140 bis 175 Tage (je nach Sorte 250 - 450

Dr. Peter Römer, Südwestsaat GbR

                 


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